Ein Klassiker. Lecker, trotzdem kein Frauencocktail. Eher stark, trotzdem nicht unangenehm. Und mit frischen Zutaten am besten. Die Rumsorte ist natürlich eine Glaubensfrage – bei mir war es Old Pascas. Glaube, Havana Club wird auch gerne genommen. Optimalerweise nimmt man statt des Zuckersirups frischen Rohrzucker, der sollte dann aber weiß sein – und damit konnte mein örtlicher Edeka nicht aufwarten.
6 cl weißer Rum
2 cl Rohrzuckersirup
Sodawasser
Limetten (geviertelt)
frische Minze
Limetten, Minzblätter (0der kleine Äste) in ein Glas geben und leicht zerdrücken. Sodawasser, Rum und Zuckersirup mit Eiswürfeln in den Shaker, schütteln und ins Glas geben. Mit Strohhalm nochmal gut umrühren.
Das ist ein Werbespot der Paulaner-Brauerei. Wenn ich recht informiert bin, ist es der neueste. Der Spot ist 21 Sekunden lang. Die Handlung ist denkbar einfach und ließe sich mit einer einzigen Kameraeinstellung abhandeln. Stattdessen besteht der Spot aus 21 Schnitten, jede Sekunde ändert sich der Bildausschnitt. Dazu kommen noch Musik und jede Menge Hintergrundgeräusche.
Das hier ist ein Paulaner-Spot von vor fünf Jahren. Derselbe Aufbau, ebenfalls 21 Sekunden lang. Allerdings nur 10 Schnitte. Damit ist immer noch viel los, der Spot ist aber deutlich angenehmer anzusehen. Das reicht heute aber offenbar nicht mehr.
Diese massive Zunahme von Schnitten und Geräusch- sowie Musikuntermalung ist meinem Empfinden nach kein Einzelfall. Das Fernsehen und insbesondere die Werbung ballern den Konsumenten zu mit schnellen Schnitten, Schwenks, Blenden, Soundeffekten und nerviger Musik. Jeder will noch auffälliger sein als der nächste, noch schneller, noch krasser. Zalando schreit, Vodafone nervt mit Musik, Paulaner ergibt sich in ein Schnittfeuerwerk.
Das führt dazu, dass ich denke, der Fernseher ist kaputt, wenn ich nur nebenher schaue und eine Sekunde lang nichts höre oder nichts flimmert. So ist das beispielsweise bei diesem Orbit-Spot geschehen, der sich bewusst gegen viele Schnitte, Geräusche und laute Musik entschieden hat. Der Spot wurde zur ruhigen Insel inmitten einer Horde von Marktverkäufern, die den Zuschauer aus dem Fernseher heraus anbrüllen und in ihre bunte, verrückte, rasante Welt zerren wollen, die es gar nicht gibt.
Nun befinde ich mich ja eigentlich mitten in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Und ich bin auch gewohnt, mit Informationen zugeschüttet zu werden. Aber das Fernsehen von heute ist mir einfach zu schnell und zu viel. Das betrifft vor allem die Werbung, und vor allem das Privatfernsehen. Damit etwas interessant ist, muss es offenbar laut, schnell und tendenziell nervig sein, sonst funktioniert es nicht. Das scheint zumindest die Auffassung der Werbebranche zu sein.
Ich plädiere hiermit für weniger Aufregung im Fernsehen. Es tun auch mal zwei oder drei Schnitte, und etwas ruhigere Musik, und etwas weniger Geräusche. Aus Protest werde ich mir jetzt eine Packung Orbit Balance Himbeere-Zitronengras kaufen. Und nur noch Erdinger trinken. Das habt ihr nun davon.
Gestern Abend war ich am Schloss Nymphenburg, weil ich das schon lange mal abends ablichten wollte. Von umherschnatternden Enten, tausenden Federn und Schwankot abgesehen hat das auch ziemlich gut funktioniert. Ein weiteres Mal habe ich mein Stativ zu schätzen gelernt: Man kann einfach jeden beliebigen Blickwinkel fotografieren, das ist großartig.
Wegen der vielen Vögel wurde mir der Ghosting-Effekt auf manchen Bildern etwas zum Verhängnis – also die Schlieren, die entstehen, wenn sich Objekte zwischen den einzelnen Belichtungsstufen bewegen. Das lässt sich wohl leider kaum vermeiden. Es sei denn, man fotografiert ein einzelnes RAW und versucht, daraus verschiedene Belichtungsstufen zu extrahieren. Das will ich auch irgendwann noch testen.
Ich habe diese Bilder alle mit Blende 7-9 fotografiert. Dank Stativ muss ich ja nicht die größtmögliche Blende nehmen, und bei größerer Blendenzahl werden die Bilder etwas besser, habe ich so den Eindruck.
Das sind jetzt immer noch keine wirklichen Nacht-, sondern eher Dämmerungs-Fotos. Ich weiß noch nicht genau, was ich nachts fotografieren könnte, außer so Klassikern wie Allianz Arena oder Leopoldstraße. Aber da fällt mir sicher noch was ein.
Ursprünglich wollte ich eine Replik auf die Apple-Kritik von Hajo Schumacher schreiben, aber das haben andereschon zur Genügegetan. Mir ist etwas anderes aufgefallen: Wie einfach es ist, mit einem relativ inhaltsleeren Artikel, für den vermutlich keinerlei Recherche nötig war, beträchtliche Reichweite zu erzielen. Der Apple-Artikel hat mittlerweile über 17.000 Facebook-Empfehlungen. Andere Artikel auf Spon knacken üblicherweise nicht einmal die 1000er-Marke.
Die Funktionsweise ist recht einfach: Man schreibt einen launischen, überzeichneten Text zu einem Thema, von dem man sich möglichst viele “Ja, endlich schreibt’s mal einer!”-Reaktionen erhofft. Dementsprechend viel Weiterverbreitung passiert anschließend über die sozialen Netzwerke. Dabei werden nicht qualitativ hochwertige Beiträge weiterverbreitet, sondern einfache, witzige Texte, Stücke mit Servicecharakter (“So setzen Sie Ihre Studiengebühren von der Steuer ab”) oder Artikel, die gegen die vorherrschende Meinung gehen, wie dieses “Lob des Übergewichts” des Tagesspiegel. Und natürlich zielen Texte wie der Apple-Text auch darauf ab, dass sie in der Netzwelt aufgenommen und zerpflückt werden – was wiederum zur Weiterverbreitung beiträgt.
Es ist davon auszugehen, dass den Autoren diese Wirkungsweise durchaus bekannt ist. Und wieso sollte man sie nicht auch nutzen: Mehr Empfehlungen bedeuten mehr Klicks, und gleichzeitig, dass der Text offenbar vielen Lesern gefällt. Eine solch hohe Verbreitung ist von langen, hintergründigen und aufwändig recherchierten Stücken kaum zu erwarten. Bei Spiegel Online ist diese Aufteilung schon im Layout zu spüren: Die ersten 3-4 Texte auf der Seite sind üblicherweise “harte” Nachrichten, alles darunter sind ungewöhnliche, kuriose oder serviceorientierte Lifestyle-Texte, die sich leicht lesen und weiterverbreiten lassen.
Was sagt uns das? Früher hatten Medienmacher keine Ahnung, was die Menschen interessiert und was sie weitergeben. Jetzt weiß man das. Sollte man also den Weiterverbreitungsfaktor zur wichtigsten Kennziffer machen? “Schumacher, ausgezeichnete Arbeit, 17.000 Facebook-Empfehlungen! Kollegen, nehmen Sie sich mal ein Beispiel!”. Ich glaube nicht, dass das ein guter Weg wäre. Denn diese Vorgehensweise belohnt Autoren, die aus einer Laune heraus einen übertriebenen, tendenziösen Text schreiben und bestraft Autoren, die recherchieren, telefonieren, vor Ort sind und gute Texte schreiben. Nur, weil sich die Aussage letzterer nicht in einen Titel wie “Apple, es reicht” oder “Lob des Übergewichts” komprimieren lässt. Fakt ist aber: Wir brauchen beides. Auch wenn die harte Arbeit manchmal etwas undankbar ist.