Ich habe ein wenig Angst vor den kommenden Wochen, wenn Facebook schrittweise seine neuen Features implementiert. Vor allem vor dem Tag, an dem die Timeline für alle online geht. Ich habe Angst vor Ketten-Statusmeldungen á la “Facebook will dein ganzes Leben, klicke hier und hier, blockiere hier und verbreite das weiter”. Ich habe Angst vor panischen und wütenden Nutzern, die sich nicht die Zeit nehmen, um das neue Profil zu erforschen. Und ich habe Angst davor, dass all das die Einführung dieses fantastischen neuen Profils überschattet.
Seit etwa einer Woche benutze ich das neue Profil und bin bisher begeistert. Ich werde hier kurz darlegen, was mich daran so begeistert, und dann auch auf Probleme und Bedenken eingehen. Übrigens rate ich jedem, das neue Profil schon jetzt zu aktivieren und sich damit vertraut zu machen. Das verringert vielleicht die Panik beim Launch.

Das neue Profil mit seinem grandiosen Titelbild
So sieht meine Timeline momentan aus. Das Killer-Feature ist das neue Titelbild, das man zusätzlich zum Profilbild einstellen kann. Man kann es auch weglassen, aber das fände ich sehr, sehr schade. Es gibt jedem die Möglichkeit, ein besonders schönes, interessantes oder spannendes Foto zu präsentieren und dieses natürlich regelmäßig zu wechseln. Es gibt auch Platz für kreativere Ideen: Warum nicht eine Fotocollage mit dem hellblauen Hintergrund basteln, die sich nahtlos in die Seite einfügt? Die Möglichkeiten sind grenzenlos.
Unter dem Abschnitt mit Titelbild, Profilbild und den üblichen Informationen beginnt die eigentliche Timeline. Mit der chronologischen Übersicht rechts vom Titelbild kann ich in ein beliebiges Jahr, in einen beliebigen Monat springen und sehe dort alles: Alle Statusmeldungen, die ich gepostet habe, welche neuen Freunde mich hinzugefügt haben, welche Fotos ich veröffentlicht habe. Sowohl bei sich als auch bei anderen hat man Zugriff auf das gesamte Facebook-Leben. An jeder Stelle der Timeline lassen sich außerdem Meldungen oder Fotos ergänzen, wenn man etwa ein wichtiges Ereignis zu posten vergessen hat.

Eine Reise, die ist lustig – und auf Facebook schön anzusehen
Es gibt neue Arten von Meldungen, die sich posten lassen. Zum Beispiel, dass man auf Reisen war. Man kann den Ort der Reise angeben, das Datum, mit wem man dort war und ein Foto von der Reise. Darüber hinaus gibt es viele andere neue Meldungstypen: Wurde operiert, Knochen gebrochen (welchen?), Sprache gelernt, Führerschein erhalten, umgezogen, Haustier erhalten, geliebten Menschen verloren. Wer ein anderes Ereignis posten will, kann das auch benutzerdefiniert tun: Erste Wiesn-Maß zum Beispiel.

Besonders Schönes und Wichtiges lässt sich breit anzeigen
Alle Meldungen und Fotos lassen sich in dem sonst zweispaltigen Layout auch über die volle Breite anzeigen. So kann man einzelnen Ereignissen einen besonderen Platz einräumen, etwa einem besonders schönen Foto oder einer Statusmeldung mit vielen netten Kommentaren. Das ansonsten zweispaltige und im Zickzack zu lesende Layout ist gewöhnungsbedürftig, aber sehr angenehm anzuschauen und gut zum Stöbern.
Alle wichtigen Lebensereignisse sind automatisch angelegt: Geburt, Beginn einer Arbeit, Geburt von Schwester oder Bruder. Alle können mit einem Foto versehen werden. Ich habe von meiner Geburt noch kein Bild eingefügt, weil ich hier noch Hemmungen habe. Warum, kann ich selbst nicht genau sagen. Alle anderen Ereignisse habe ich komplettiert.

Zum Arbeitsbeginn ein Foto mit den Kollegen
Das alte Profil kommt mir mittlerweile furchtbar hässlich und beschränkt vor. Die neue Timeline gibt mir die Möglichkeit, mein Leben so darzustellen, wie ich es will, nicht bloß als Ansammlung der neuesten Statusmeldungen und Fotos.
Und genau darauf kommt es an: auf Selbstbestimmung. Facebook ist gerade mit seiner neuen Abonnieren-Funktion nicht gerade einfacher in seiner Nutzung geworden, zugegeben. Allerdings verbringt jeder Nutzer im Schnitt so viel Zeit auf der Plattform, dass es nicht zu viel verlangt sein kann, sich auch mal ein paar Minuten mit diesen Funktionen und eventuellen Problemen zu beschäftigen. Und vor allem damit, ob die Ketten-Statusmeldung, die man kopieren soll, auch Sinn macht oder nicht doch Quatsch ist und für noch viel größere Verwirrung sorgt.
Die neue Timeline wird vielen Nutzern verständlicherweise Angst machen. Das ganze Leben, immer online, in jedes beliebige Jahr, auf jeden beliebigen Tag zurückverfolgbar? Gruselig. Aber: Das Netz ist, was ihr draus macht. Niemand muss mitspielen. Jeder Nutzer sollte sorgfältig auswählen, was er veröffentlicht und für wen er es veröffentlicht. Die Möglichkeiten, Inhalte auf den Freundeskreis zu beschränken, sind auf Facebook ziemlich gut. Wenn ich das System verstanden habe, kann ich sehr genau festlegen, wer was zu sehen bekommt. Und im Zweifel sollte man sich überlegen, ob vielleicht nicht doch eine private Nachricht angebrachter wäre oder ob das Foto, auf dem man nach der achten Maß über die Biertische reihert, wirklich ins Internet gehört.
Probleme sehe ich bei jüngeren Nutzern. Wenn Zwölfjährige mit Foto-Smartphone und Facebook-Account ausgestattet sind, finden da sicher nicht nur wohlüberlegt ausgewählte Inhalte den Weg ins Netz. Die Eltern kennen sich meist weit weniger gut aus und können auch keine Hilfe geben. Irgendwann, wenn die Nutzer älter sind, werden sie alte Meldungen lesen und wahrscheinlich peinlich finden. Ist aber auch kein Problem, lässt sich ja löschen.
“Facebook will mein ganzes Leben”, so lautet ein oft gehörter Vorwurf. Ja, vielleicht will es das. Aber wollen es meine Freunde nicht noch viel mehr? Was könnte interessanter sein, als stundenlang in der Vergangenheit eines Freundes herumzustöbern? Facebook erfüllt unsere Bedürfnisse. Es stellt uns zum Nulltarif riesige Mengen an Speicher zur Verfügung, eine schicke und schnelle Oberfläche, ein fantastisches Kommunikationsinstrument. Und wir können sehr gut selbst bestimmen, was wir Facebook dafür geben wollen und was nicht. Wer das verinnerlicht hat, wird mit dem neuen Facebook viel Spaß haben.
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