Wenn mich jemand nach dem Zustand der deutschen Printmedien fragen würde, würde ich eigentlich sowas sagen wie “Ja, rosig siehts nicht aus, glaube alle Zeitungen müssen Auflage einbüßen, bis auf die ZEIT; da geht eben viel ins Internet, es geht schon bergab insgesamt”.
Jetzt habe ich mir heute mal mehr oder weniger zufällig die IVW-Zahlen der großen Zeitungen der letzten Jahre angesehen. Von Krise keine Spur.
Beim Anklicken der Grafiken geht es zur entsprechenden Kurve.
Süddeutsche Zeitung
Hält seine Auflage konstant. Konnte in den vergangenen fünf Jahren sogar einen Zuwachs um drei Prozent verbuchen.
Welt am Sonntag
Hat in den vergangenen zwölf Monaten zwar ein Prozent Auflage verloren, blieb in den vergangenen fünf Jahren jedoch konstant.
Die ZEIT
Vorzeigeprodukt der Branche. In den vergangenen zwölf Monaten vier Prozent Zuwachs, in den vergangenen fünf Jahren sogar zehn Prozent. Verkauft heute mehr Exemplare als jemals zuvor.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Noch größeres Wachstum als die “ZEIT”. In den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls vier Prozent, in den verganenen fünf Jahren satte 20 Prozent.
BILD
Da haben wir den Verlierer! Fünf Prozent in den vergangenen zwölf Monaten eingebüßt, 17 Prozent in den verganenen fünf Jahren.
Aber ganz ehrlich: So richtig traurig ist das auch nicht.
25.06.2009 - 08:59 von Moritz Homann in Medien, Politik.
Ich habe die ganze Kinderpornographie-Tauss-Piraten-Geschichte die letzten Tage und Wochen eher am Rande verfolgt, aber doch intensiv genug, um mich über einen Artikel der heutigen ZEIT aufregen zu können. Unter der Überschrift “Ein neuer Pirat” geht es um Tauss’ Wechsel zur Piratenpartei. Der Artikel fängt bereits äußerst tendenziös an:
Stellen wir uns vor, ein CDU-Mitglied, bei dem kurz zuvor rassistische Schriften gefunden wurden, möchte zur SPD wechseln. Würden die Sozialdemokraten ihn als “aufrechten Demokraten” umgehend “herzlich Willkommen” heißen? Und darauf hinweisen, dass die Partei “keinen Anlass habe, an seiner Unschuld und moralischen Integrität zu zweifeln, solange keine Verurteilung erfolgt?”
Durch den ganzen Artikel hinweg geht der Autor eigentlich davon aus, dass Tauss schuldig sein muss. Weiter geht es so:
Für die Piraten sind die Ermittlungen kein Grund, Abstand zu Tauss zu wahren. Im Gegenteil.
Wieso sollten sie auch Abstand wahren, solange Tauss nicht nachgewiesen worden ist, dass er sich das bei ihm gefundene kinderpornografische Material nicht für Arbeitszwecke verwendet hat? Ich will mich an keiner der Verschwörungstheorien beteiligen, dass Tauss “mundtot” gemacht werden sollte, aber es gilt doch noch immer: Im Zweifel für den Angeklagten. Und das heißt, dass es keine Rechtfertigung gibt, einen solch vorverurteilenden Artikel über ihn zu schreiben.
Der Hammer ist aber der Schluss, in dem neben Tauss auch direkt die ganze Web-Community abgekanzelt wird:
Schließlich finden sich unter seinen Netz-Sympathisanten auch noch jene, die das Sammeln von Kinderpornografie für eine “Lappalie” halten – oder gleich für eine “sozial kompatible Art”, um “seine Triebe zu kanalisieren”. Jede Gemeinde sucht sich den Helden, den sie verdient.
Wahnsinn. In einem kleinen Artikel Tauss für schuldig erklärt, die Piratenpartei als lächerlich hingestellt und die ganze Webgemeinde als Kinderporno-Fans beschrieben. Da kann sich ernsthaft niemand mehr wundern, dass das mit dem Dialog zwischen Webgesellschaft und Internetausdruckern nicht so recht funktioniert.
Eigentlich hatte ich mit Filmen nie wirklich viel am Hut, das begann so vor zwei Jahren, als ich mich von Berufswegen her damit auseinandersetzen musste. Und wie das so ist, entwickelt man dann doch eine gewisse Begeisterung dafür.
Jedenfalls reizte mich die Idee, abseits vom Videojournalismus mal etwas anderes zu machen, dennoch ungezwungen und nicht zu aufwändig. Und so entstand dieser Kurzfilm mit Szenen aus Pforzheim, den ich euch nicht vorenthalten will.
20.06.2009 - 07:52 von Moritz Homann in Internet, Medien.
Ich bezahle für meine Musik. Sowohl für die, die ich auflege, als auch für die, die ich privat höre. Ich zahle sogar für meine Software, für Updates, den ganzen Kram. Damit scheine ich in der hippen Web-2.0-Gesellschaft ein ziemlicher Exot zu sein. Bekannte erzählen mir mit Begeisterung von Websites wie musicloud.fm, über die sich kostenlos in Sekundenschnelle nahezu jedes jemals erschienene Musikstück herunterladen lässt. Einige meinen sogar, das sei legal, weil das Portal seine Medien über andere Netzportale bezieht. weiterlesen »