Es sollte mehr Schulermittler geben!

Als Student kommt man bekanntlich in den Genuss, auch das Nachmittagsprogramm diverser Fernsehsender erkunden zu können. So ist auch ein Blick auf die RTL-Serie “Schulermittler” möglich. Wer da reinzappt und sich die Sendungsinfo anzeigen lässt, der liest:

Zwei Experten-Teams zeigen, wie sie im Fall von Gewalt, Diebstahl und Körperverletzung an Schulen von der Polizei eingesetzt werden, wie sie helfen und aufklären können – immer mit dem Ziel, die Gewalt an Schulen nachhaltig einzudämmen und den betroffenen Kindern einen Ausweg aus der Gewaltspirale zu zeigen.

Das klingt doch gut und sinnvoll. Die ARD hat auch eine repräsentative Umfrage zu dem Thema durchgeführt, dabei kam unter anderem folgendes raus: Über 48 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu “Man weiß doch, dass solche Schulermittler sinnvoll sind! Es sollte mehr davon geben”.

Das Problem dabei: Es gibt in der Realität gar keine Schulermittler. Dass die Polizei Sozialarbeiter an Schulen beschäftigt, ist völlig fiktiv.

Das ist eigentlich bekannt. Trotzdem zeigt die ARD-Umfrage, dass viele die Szenen als echt wahrnehmen. Hinzu kommt, dass selbst die, denen die Fiktion des Gesehenen bewusst ist, sich unbewusst davon beeinflussen lassen. Das führt dann irgendwann zu dem Bild, dass Entführungen, Geiselnahmen, Mobbing, Schlägereien etc. an deutschen Schulen alltäglich sind.

Der Panorama-Beitrag “Lügenfernsehen” zum Thema ist schon ein paar Wochen alt, aber sehr sehenswert. Unter anderem kommt eine Casting-Agentin darin vor, die sich auf Laienschauspieler für solche Pseudo-Dokus spezialisiert hat. Sie sucht die krassen Charaktere, die für das Fernsehen noch nicht krass genug sind und dann eine noch krassere Rolle auf den Leib geschrieben bekommen.

Hier eine kleine Übersicht von deutschen “Doku-Serien”, die frei erfunden sind: “Die Schulermittler”, “Die Trovatos – Detektive decken auf”, “Verdachtsfälle”, “Betrugsfälle”, “Familien im Brennpunkt”, “Mitten im Leben”, “Die Autohändler”, “K11 – Kommissare im Einsatz”, “Lenßen und Partner”, “Niedrig & Kuhnt – Kommissare ermitteln”. Bei der Serie “Frauentausch” gibt es Hinweise darauf, dass die Akteure in feste Rollen gepresst werden.

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