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In dubio pro Tauss

Geschrieben am 25.06.2009 - 08:59 von Moritz Homann in Medien, Politik.

Ich habe die ganze Kinderpornographie-Tauss-Piraten-Geschichte die letzten Tage und Wochen eher am Rande verfolgt, aber doch intensiv genug, um mich über einen Artikel der heutigen ZEIT aufregen zu können. Unter der Überschrift “Ein neuer Pirat” geht es um Tauss’ Wechsel zur Piratenpartei. Der Artikel fängt bereits äußerst tendenziös an:

Stellen wir uns vor, ein CDU-Mitglied, bei dem kurz zuvor rassistische Schriften gefunden wurden, möchte zur SPD wechseln. Würden die Sozialdemokraten ihn als “aufrechten Demokraten” umgehend “herzlich Willkommen” heißen? Und darauf hinweisen, dass die Partei “keinen Anlass habe, an seiner Unschuld und moralischen Integrität zu zweifeln, solange keine Verurteilung erfolgt?”

Durch den ganzen Artikel hinweg geht der Autor eigentlich davon aus, dass Tauss schuldig sein muss. Weiter geht es so:

Für die Piraten sind die Ermittlungen kein Grund, Abstand zu Tauss zu wahren. Im Gegenteil.

Wieso sollten sie auch Abstand wahren, solange Tauss nicht nachgewiesen worden ist, dass er sich das bei ihm gefundene kinderpornografische Material nicht für Arbeitszwecke verwendet hat? Ich will mich an keiner der Verschwörungstheorien beteiligen, dass Tauss “mundtot” gemacht werden sollte, aber es gilt doch noch immer: Im Zweifel für den Angeklagten. Und das heißt, dass es keine Rechtfertigung gibt, einen solch vorverurteilenden Artikel über ihn zu schreiben.

Der Hammer ist aber der Schluss, in dem neben Tauss auch direkt die ganze Web-Community abgekanzelt wird:

Schließlich finden sich unter seinen Netz-Sympathisanten auch noch jene, die das Sammeln von Kinderpornografie für eine “Lappalie” halten – oder gleich für eine “sozial kompatible Art”, um “seine Triebe zu kanalisieren”. Jede Gemeinde sucht sich den Helden, den sie verdient.

Wahnsinn. In einem kleinen Artikel Tauss für schuldig erklärt, die Piratenpartei als lächerlich hingestellt und die ganze Webgemeinde als Kinderporno-Fans beschrieben. Da kann sich ernsthaft niemand mehr wundern, dass das mit dem Dialog zwischen Webgesellschaft und Internetausdruckern nicht so recht funktioniert.

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2 Kommentare zu “In dubio pro Tauss”

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