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Die Wirtschafts-Wahrsager

Geschrieben am 11.12.2008 - 09:16 von Moritz Homann in Medien.

Die Wirtschafts-Wahrsager

“News is what’s different”, habe ich einmal gelernt. Eine Nachricht ist nur eine Nachricht, wenn etwas ungewöhnliches darin liegt. “Hund beißt Mann” ist eher gewöhnlich, “Mann beißt Hund” ist eine Nachricht. Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht die Zeitung aufschlage und etwas darin steht wie heute: “Institut sieht schwarz für die Konjunktur”. Ach, echt?

Bundesregierung, Bundesbank, Commerzbank, Deutsche Bank, Gfk-Konsumklima-Index, ifo-Geschäftsklimaindex, DIW, IfW, IWH, IW, RWI. Kein größerer Spaß für diese Institute, als regelmäßig die neuesten Weltuntergänge zu prophezeien. Gibt es eigentlich noch jemanden, der diese Prognosen liest und dabei denkt: “Nein, der Wirtschaft geht es gerade schlecht?”?

Ich habe beschlossen, mein eigenes Wirtschaftsinstitut zu gründen, das HIW – Homannsches Institut für Wirtschaft. Ich sage: Deutschland steckt in einer tiefen Rezession, die Aussichten sind trüb, die Wirtschaft wird nächstes Jahr um 2,362 Prozent schrumpfen, das allerdings nur mit 35,8-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Die Arbeitslosenzahlen werden auch wieder steigen, so um 0,7 Prozent. Es sei denn, der Scholz findet noch rechtzeitig was, wie man die irgendwie rausrechnen kann. “Vorübergehendes Pech”, oder so.

Gut, ich gebe zu, ich habe von solchen Prognosen eigentlich keine Ahnung. Deshalb kann ich mir auch nicht erklären, wie Norbert Walter etwa, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ein Wirtschaftsschrumpfen von vier Prozent vorhersagen kann, das gleichzeitig mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent versieht und keiner mal fragt “Ähh….hä?”. Also, was ist denn, wenn diese 30 Prozent (die ja nun nicht so sehr wahrscheinlich sind) nicht eintreten? Ist die Prognose dann komplett hinüber? Oder schwankt sie nur leicht, also zu 4,1 Prozent oder zu 3,9 Prozent? Und: Hat das eigentlich noch irgendeinen Realitätsbezug?

Eins weiß ich aber: Wenn ich als Unternehmer jeden Morgen in der Zeitung lesen würde, dass ich mir das Aufstehen eigentlich hätte sparen können, wird das mit der Stimmung in der Wirtschaft zumindest so bald nichts mehr. Deshalb: Mehrmonatige Maulsperre für alle Wirtschaftsinstitute und wieder mehr Nachrichten wie “Kinder tollen im Schnee” oder so. Dann wird das mit der Wirtschaft auch wieder. Prophezeie ich einfach mal.

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