Peer und der SPIEGEL

Finanzminister Peer Steinbrück und der SPIEGEL, insbesondere Spiegel Online, pflegen normalerweise eine innige Beziehung. Kaum ein Text oder ein Video, in dem der Minister nicht brillant wegkäme. Doch nun scheint selbst beim SPIEGEL, zumindest beim gedruckten, das Maß voll zu sein. In einem Interview mit Steinbrück im aktuellen SPIEGEL könnte man den Fragen seitens der Redakteure beinahe schon eine gewisse Frechheit attestieren.
Es ist eigentlich nichts ungewöhnliches, ein Interview mit einer provokanten Frage zu eröffnen. Der SPIEGEL tut dies mit der Frage: ” [...] Sarkozy hat über das Krisenmanagement in Europa gesagt: Frankreich handelt, in Deutschland denkt man nach. Ist die deutsche Regierung jetzt das Gespött Europas?”. Steinbrück antwortet, wie eigentlich auf jede Frage, nass-forsch, patzig, auf lange Sicht verbohrt. Wie er eben so ist, unbelehrbar, besserwisserisch, um keine Antwort verlegen.
Es folgt:
SPIEGEL: ” [...] Ihr eigentliches Konjunkturpaket umfasst nächstes Jahr nicht mehr als 5 Milliarden Euro. Das erscheint uns in der Tat zu wenig.”
Steinbrück: “Es kommt doch nicht auf den Zeitpunkt der Planung an, sondern auf die Wirkung! Wie viel hätten die Herren denn gern? Weitere 25 Milliarden, 50 Milliarden? Oder darf´s noch ein bisserl mehr sein?”
Es dürfte in der Tat noch ein bisserl mehr sein, aber zum inhaltlichen sei die Lektüre dieses Wirtschaftswunder-Eintrags von Thomas Fricke empfohlen, dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist.
Im späteren Verlauf entsteht beinahe schon ein handfester Streit:
SPIEGEL: “Wenn man sieht, wie man sich im Ausland gegen diese Rezession stemmt, dann muss man den Eindruck bekommen, dass Sie ziemlich passiv sind. Oder einfach nur stur.”
Steinbrück: “Ich bin nicht stur, ich gehorche der ökonomischen Vernunft.”
SPIEGEL: “Die halbe Welt verlangt von Ihnen, stärker gegen die Krise anzufinanzieren. Die Forderungen kommen aus Amerika, aus Brüssel, sie kommen vom IWF, von der OECD, von der Weltbank. Wer soll das eigentlich noch fordern?”
Ich kann hier schlecht das ganze Gespräch wiedergeben, genannt seien noch die SPIEGEL-Fragen “Werden Sie eigentlich nie von Zweifel und Unsicherheit geplagt?” und “Fürchten Sie nicht, eines Tages als der Mann dazustehen, der es versäumt hat, Deutschland vor einer großen Rezession zu bewahren?”.
Aber man muss schon sagen, seit längerer Zeit wieder ein durchweg interessantes, weil vor allem kritisches SPIEGEL-Gespräch. Das unter anderem auch zeigt, dass wir für die bereits bestehenden und noch kommenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten bestens gerüstet sind: Mit einem sturköpfigen und uneinsichtigen Finanzminister, einem bestenfalls unfähigen, schlechtestenfalls unsichtbaren Wirtschaftsminister und einer hilflosen Kanzlerin. Auf in 2009, das Jahr der schlechten Nachrichten.
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02.12.2008 -
23:28 von Moritz Homann in