Ein Einzelgänger geht

Wolfgang Clement ist ein Spielkind. Ein Einzelgänger, ein Sturkopf, aber vor allem: Ein Spielkind. Die Landesschiedskommission hat ihn verschont, es bei einer Rüge belassen. Aber zu spät: Clement war schon beleidigt, ist aus der Partei ausgetreten, vermutlich auch nicht Hals über Kopf, sondern von langer Hand geplant. Doch wie es auch sei: Vermissen wird ihn niemand.
Eigentlich macht jeder in der SPD Fehler, Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering mal ausgenommen. Kurt Beck war ein einziges Disaster, wegen Links oder doch nicht Links und Wortbruch und überhaupt. Andrea Ypsilanti genauso. Wolfgang Clement unterdessen hat den anderen Weg gewählt und in der “Welt am Sonntag” mehr oder weniger dazu aufgerufen, die SPD nicht zu wählen. Das hat er auch nie bereut.
Einer wie Clement, der für die wirtschaftsfreundliche “Welt am Sonntag” schreibt, im Aufsichtsrat einer RWE-Tochter sitzt, die unter anderem das Atomkraftwerk Biblis betreibt und der jetzt die abstruse Behauptung äußert, seine (ehemalige) Partei betreibe “Deindustrialisierung”, der hat in der SPD nichts verloren. Nicht einmal in der neuen, rechten Seeheimer-SPD. Es spricht schon Bände, wenn Clement von CDU-Politikern in höchsten Tönen gelobt wird und direkt nach seinem Austritt von der FDP die ersten Mitgliedschaftsangebote erhält. Soll er in die FDP eintreten, wenn er will – da passt er allemal besser hin als zu den Sozialdemokraten.
Das einzige, worin er sich offenbar noch mit der SPD einig ist: Regieren will Clement nicht. Einer der Hauptgründe für seinen Austritt ist die Tatsache, dass die SPD sich nicht klar von der Linken abgrenzt. Wenn sie das allerdings tut, ist die Regierungsfähigkeit endgültig dahin – bis Rot-Grün wieder auf eine regierungsfähige Mehrheit kommt, dürfte es noch einige Zeit dauern. Und leider, so traurig das ist, wird auch Clements Austritt aus der SPD wieder ein paar Wählerstimmen kosten – die SPD stürzt zunehmend ab, bald kann auch sie das “Projekt 18″ ausrufen. Vielleicht ist Clement bis dahin schon bei der FDP.
Von der Politik verabschieden will er sich nicht. Er will sich nun als Parteiloser in die Debatten einmischen, bis ihn niemand mehr sehen will, was schon bald der Fall sein dürfte. Er ist ein gewissenloser, von der Energielobby finanzierter, eigenbrötlerischer Querkopf, aber gewiss kein Sozialdemokrat. Sein Austritt ist damit nur konsequent und eigentlich längst überfällig.
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25.11.2008 -
22:06 von Moritz Homann in