Pisa wird überbewertet

Hurra, die Pisa-Ergebnisse sind da! Wieder wird unter dem Begriff „Bildungstest“ munter alles zusammengeworfen, was irgendwie greifbar ist: Stadtstaaten werden mit Flächenländern verglichen, Länder mit hohem Migrantenanteil mit Ostländern, in denen kaum ein Ausländer in der Klasse sitzt. Bildung wird heruntergebrochen auf ein paar Aufgaben, die vor allem aus dem naturwissenschaftlichen Bereich kommen. Wer braucht schon Dichter und Denker? Hauptsache, die Schüler nutzen später der Industrie. Weiter gefasste Bildung interessiert beim Pisa-Test nicht.
Dennoch machen alle munter mit beim Pisa-Zirkus: Die Führenden im Ländervergleich sehen wegen 20 zugewonnener Pisa-Pünktchen ihre Bildungspolitik bestätigt, die Länder auf den hinteren Rängen schweigen oder ergeben sich bestenfalls in Aktionismus – nach zwei Wochen ist das Thema sowieso wieder vergessen. Eine nachhaltige Verbesserung des Bildungssystem steht hier gar nicht zur Debatte. Hauptsache, beim nächsten Test gibt es ein paar Pisa-Punkte mehr.
Zu große Klassen, Benachteiligung von Migrantenkindern und sozial Schwächeren bei gleicher Leistung – für die Erkenntnis, dass es um die deutsche Bildungspolitik nicht zum Besten steht, brauchen wir nun wirklich keinen Pisa-Test. Auf diese Probleme sollte sich die Politik endlich konzentrieren – und nicht auf das Rennen um die Pisa-Punkte.
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22.11.2008 -
01:38 von Moritz Homann in