Nichts wird sich ändern

Was ist in den letzten Wochen der Untergang der freien Marktwirtschaft zelebriert, der Kapitalismus kritisiert, Regulierung gefordert, Aufsicht über die Finanzmärkte verlangt worden. Nun ist das deutsche 500-Milliarden-Rettungspaket im Eilverfahren beschlossen worden. Es soll wieder Ruhe im Bankensektor einkehren und Vertrauen geschöpft werden, soweit die Hoffnung. Und was lernen wir aus alldem? Nichts.
Martin Blessing ist ein Unikat. Er ist Banker, ein ziemlich hohes Tier sogar, Vorstandssprecher der Commerzbank. Seine Bank prüft derzeit, ob sie nicht das verabschiedete Rettungspaket in Anspruch nehmen wird. Blessing sagt, dass das Rettungspaket sehr wichtig sei, dass “der Blutkreislauf der Wirtschaft nicht gestoppt werden darf”. Kennen wir alles. Dann sagt er: “Es ist ein sehr wichtiges Zeichen, mit welcher Geschwindigkeit die Politik das Paket geschnürt hat, das verdient allerhöchsten Respekt und Dank.”
Sein letztes Wort ist das, was ihn zum Unikat macht. Er dankt der Regierung und wohl letzten Endes auch den Menschen, all den Steuerzahlern, die im Ernstfall geradestehen müssen. Und er räumt sogar Fehler ein. Nicht, dass das nicht normalerweise selbstverständlich sein sollte. Und doch: Wo waren denn in letzter Zeit all die Banker, wenn sie sich nicht in Sitzungen mit Steinbrück, Asmussen und Co. vor ihrem eigenen Untergang bewahrt haben? Wo war der Ackermann, der einmal eingesteht, dass der Anspruch auf 25% Rendite vielleicht doch etwas hoch gegriffen war, der Besserung gelobt oder zumindest überhaupt mal irgendwas dazu sagt, dass weltweit Sparer um ihre Konten fürchten, Angestellte um ihre Arbeitsplätze, die Realwirtschaft um ihre Konjunktur?
Nichts war da. Die verantwortlichen Banker haben sich verhalten wie die Kinder. Mit hochspekulativen Finanzprodukten haben sie im Heu gezündelt, bis die ganze Finanz-Scheune lichterloh in Flammen stand. Und nun tauchen sie unter, keiner gesteht Fehler ein, keiner gelobt Besserung, kein Zeichen, dass sich überhaupt irgendetwas ändern wird.
Doch damit steht der Bankensektor nicht alleine da. Auch in der Politik gibt es außer hohlen Phrasen keine Hoffnung auf Änderung. Wo wird über die vor einigen Jahren getroffene Entscheidung diskutiert, Hedgefonds und Derivate zuzulassen? Wo wird eine europäische oder internationale Finanzmarktaufsicht ins Leben gerufen? Wo bleibt der Privatisierungs-Stopp der Bahn? Politiker wie Banker, die in den letzten Jahren der Deregulierung und der Privatisierung das Wort geredet und Finanzwelt und Unternehmen umschmeichelt haben, wussten heute schon vor langem alles besser und schnüren nun munter Rettungspakete. In ihren Köpfen wird sich nichts ändern. Sie sind wie Friedrich Merz, der seinen Buch-Untertitel “Mehr Kapitalismus wagen” mit den Worten verteidigt, für so ein Buch wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt.
Niemand bestreitet, dass die verabschiedeten Rettungspakete nötig sind. Doch allem Anschein nach werden aus der Krise keine Lehren gezogen. Die Finanzwelt ist erschüttert, die Finanzwelt wird gerettet, die Finanzwelt macht weiter wie bisher. Die Kurse steigen wieder, die Politik atmet auf, der Schock ist überstanden. Es wird weiter spekuliert, bis zur nächsten Blase, wie auch immer die aussehen mag. So lange lässt man die Finanzjongleure gewähren, allen Ungläubigen, die weiter Regulierung und einen stärkeren Staat fordern, wird der Populismus-Hut aufgesetzt. So schlimm war es doch gar nicht, und es lief ja auch einige Zeit ganz gut, mit den freien Märkten. Hohe Renditen. Für einige wenige zumindest.
Steinbrück schlägt jetzt vor, die jährlichen Bezüge für Manager auf 500.000 Euro zu begrenzen. So weit wird es nie kommen, das weiß er auch selbst. So weit muss es auch gar nicht kommen. Niemand sagt, dass sich Leistung nicht lohnen soll. Das Problem liegt vielmehr in Haftung und Verantwortung. Wie es darum bestellt ist, zeigt sich in diesen Tagen überdeutlich.
Und doch besteht Hoffnung auf Besserung. Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank zum Beispiel, also auch Vorstandschef Josef Ackermann, wollen in diesem Jahr auf ihre erfolgsabhängigen Bonusprämien verzichten. Die Deutsche Bank übt Verzicht. Das ist doch was, oder nicht? Wo die ganze Finanzwelt den Bach runtergeht, wofür auch die Deutsche Bank zu nicht gerade unwesentlichen Teilen Verantwortung trägt, verzichtet der Vorstand auf seine Erfolgs-Boni. Passender Kommentar dazu von Blessing: “Ich kann doch nur auf etwas verzichten, was mir auch zusteht. Nur wenn man ein gutes Ergebnis für das Unternehmen erwirtschaftet, also Erfolg hat, steht einem auch ein Erfolgsbonus zu.”
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Ein Kommentar zu “Nichts wird sich ändern”
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18.10.2008 -
11:41 von Moritz Homann in
October 24th, 2008 at 00:11
Ich weiß überhaupt nicht, was ich den ganzen Bankern, Politikern etc., die seit Jahren die Menschheit bescheißen, an den Arsch wünsche, die Pest ist wohl noch das humanste. Das Schlimmste an der ganzen Misere ist, dass sich nichts ändern wird, Politik und Wirtschaft teilen die Beute(Steuer und Gewinne) unterenander auf und wir schauen malwieder in die Röhre.
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