Von der Hypo Real Estate und Ampel-Fotos

Aufatmen bei der Münchner Hypo Real Estate: Nach stundenlangen Beratungen von Finanzministerium, Bundesbank und “Top-Bankern” (so Menschen wie Josef Ackermann) ist das HRE-Rettungspaket gerettet worden. Im Ernstfall zahlen Finanzsektor, aber vor allem auch der Steuerzahler zu einem nicht unerheblichen Anteil. Die Finanzmarktkrise entwickelt sich zu einem Horror, für Sparer, Politiker und Journalisten.
Vor allem diejenigen, die gestern in den Politikredaktionen der zahlreichen Lokalzeitungen den Sonntagsdienst übernehmen mussten, dürften Steinbrück, Sanio & Co verfluchen. Um 23:10 Uhr erst verkündet der Finanzmarktsaufsichts-Chef, dass das Paket erweitert und damit gerettet ist. Bis dahin herrscht Unklarheit. Was tun also die Redaktionen, die um 22:30 Uhr drucken müssen, um morgens rechtzeitig im Briefkasten der Abonnenten zu stecken? Wird da getitelt: “Hypo Real Estate womöglich gerettet”? Oder doch eher “Keine Ahnung, was mit der Bank los ist!”?
Bei Spiegel Online hingegen zeigt der Poker um das Rettungspaket, welche Anforderungen heutzutage an den Journalismus gestellt werden. Pünktlich zur Verkündung von Sanio haut Spon die erste Eilmeldung raus, mit der vertrauten, gelben “EILMELDUNG”-Dachzeile. Die Meldung besteht gerade mal aus zwei Absätzen samt einem Tippfehler. Drin steht eigentlich nur, dass es eine Lösung gebe und die irgendwie gut sei.
Ab dann wird die Meldung im Minutentakt um einzelne Sätze ergänzt. An wirklichem Inhalt kommen eigentlich nur die harten Zahlen im zweiten Absatz hinzu. Und ein Bild, das irgendwie die Vermutung nahelegt, dass der diensthabende Kollege nicht eben fit im Umgang mit Photoshop ist:

Da stellt die Bildagentur scheinbar extra ein Bild zur Verfügung, das sich je nach Erfolg oder Misserfolg mit grünem oder mit rotem Ampelmännchen schneiden lässt – vorausgesetzt, man kann es so schneiden. Aber es ist ja wirklich schon schlimm genug, Sonntagnachts noch topaktuell das ganze Thema darzustellen zu müssen, da kann sowas schon mal verziehen werden.

Tja, und zur grandiosen Rettungsaktion für die Hypo Real? Regierung und Banken schieben ein Streichholz in die Kette aus kippenden Banken-Dominosteinen, das die Kettenreaktion vielleicht verzögern kann – aufhalten dürfte es sie wohl kaum. Die gesamte Krise und auch die HRE ist ein Loch ohne Boden, das noch so manches an Steuergeldern verschlingen dürfte – wenn man es denn so weit kommen lässt. Das Dilemma dabei ist, dass Otto Normalbürger so oder so leidet. Entweder, er kommt für Rettungspakete auf, oder der ganze Finanzsektor bricht zusammen und das Sparkonto ist leer. Bisher hat es nur die getroffen, die sich von windigen Bankberatern Lehman-Produkte oder Hedgefonds aufschwatzen haben lassen. Aber wirklich sicher kann in diesen Tagen niemand sein.
Eines jedoch ist sicher: Es gibt von jeder, aber auch wirklich jeder größeren Firma oder Bank ein Foto mit einer Ampel im Vordergrund. Meistens ist die je nach aktueller Lage grün oder rot. Verhandlungen bei VW und Porsche auf Eis gelegt? Zeigt man das Firmenlogo vor einer roten Ampel. Fusion von Dresdner und Commerzbank besiegelt? Zeigt man die Firmenlogos vor einer grünen Ampel. Gerade was Banken angeht, sollten die Pressefotografen sichergehen, dass sie jedes Logo vor einer roten Ampel im Repertoire haben. Man kann ja nie wissen.
Anmerkung, 0:24 Uhr: Jetzt passt das Bild bei Spon.
Trackback
Permanent Link
06.10.2008 -
00:13 von Moritz Homann in