50 plus X, war wohl nix
Viele Wählerinnen und Wähler waren heute in Bayern überrascht. “Da steht ja noch mehr als ‘CSU’ auf dem Wahlzettel!”, riefen sie und machten munter ihre Kreuzchen bei FDP und Freien Wählern. Vereinzelt sogar ein paar bei der Linkspartei. Für den Einzug in den Landtag dürfte das aber nicht reichen. Fest steht aber: Die Verhältnisse in Bayern haben sich geändert.
Minus 17 Prozent Stimmenverlust gegenüber 2003, so viel Verlust schafften in letzter Zeit teilweise nichtmal die Aktien der US-Investmentbanken. Normalerweise treten die Parteioberen nach so einer Schlappe zerknirscht vor die Kameras und erzählen irgendwas von wegen, dass 43 Prozent ja trotzdem ein herausragendes Ergebnis sind. Aber für die CSU sind 43 Prozent kein herausragendes Ergebnis. Es ist eine Watschn.
Die letzten Tage und Wochen waren die Zeitungen voll mit CSU- und Bayern-Analysen. Das mit Laptop und Lederhosen klappt nicht mehr, Bayern wird modern, am Ende wird Bayern sogar deutsch. Dass es bergab geht mit der CSU war klar, die meisten hatten schon mit “50 minus X” gerechnet, dass es so schlimm werden wird, hat aber wohl kaum jemand erwartet.
Aber was hätte man auch erwarten sollen, bei “Plisch und Plum”, “Fix und Foxi”, Beckstein und Huber, den beiden Witzfiguren. Mit ihrer Pendlerpauschale, mit Hubers “Atommüll ja – aber bitte nicht in Bayern” und Becksteins Zwei-Maß-Theorien. Mit ihrem Kleinkrieg gegen Merkel. Einer ein so unbegnadeter Redner wie der andere. Beide so charismatisch wie ein Glas saure Gurken.
Stattdessen wird in Bayern FDP gewählt – klar, bei der schwelenden Finanzkrise braucht man eine Wirtschaftspartei. Die für liberale Märkte eintritt. Die den Steuerzahler jenseits des Atlantiks gerade so um die 700 Milliarden Dollar kosten. Oder so. Aber schließlich will FDP-Westerwelle ja jetzt auch “einen starken Staat”. Vor ein paar Monaten wäre das noch eine Sensation gewesen. Aber Staat ist gerade ziemlich in Mode. Und so hält eben auch die FDP ihr Fähnchen in den Wind.
Eigentlich können sie einem ja fast schon ein bisschen leid tun, der Huber und der Beckstein. Sehen immer so traurig aus. Und jetzt auch noch das. Die werden ja ihres Lebens nicht mehr froh. Aber Kopf hoch: Schließlich ist gerade Oktoberfest. Die ein oder andere Maß reingeschüttet, da sieht das Ergebnis gleich positiver aus. Und nach Hause fahren kann man anschließend auch noch. Oans, zwoa, gsuffa!
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3 Kommentare zu “50 plus X, war wohl nix”
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28.09.2008 -
22:19 von Moritz Homann in
September 28th, 2008 at 23:38
Schön geschrieben!
Erwin Huber kann in ein paar Tagen auch mehr als zwei Maß Bier trinken und am nächsten Morgen ausschlafen, denn der ist seinen Posten sicherlich bald los.
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September 29th, 2008 at 00:41
Nettes Wahlergebnis, hilft nur niemandem. Die Gelben werden brav Mehrheitsbeschaffer spielen und sonst geht alles seinen gewohnten Gang. Was wirklich mal gut wäre: CSU bei einer Bundestagswahl bei 30%. Dann wird das nämlich mit den 5% bundesweit eng. Das wäre doch mal was.
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September 29th, 2008 at 15:22
Natürlich wird die FDP trotz “gelb ist der größte kontrast zu schwarz” -Wahlkampfes eine Koalition eingehen und vieles wohl brav abnicken. doch gesetze, die die versammlungsfreiheit und den datenschutz einschränken wollen, werden sie hoffentlich entschäfen bzw verhindern
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