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Der Ernst des Lebens

Geschrieben am 08.09.2008 - 22:39 von Moritz Homann in Allgemein.

iPhone 3GSo hat meine Oma das immer genannt, wenn die Schule wieder losging. Ende der Sommerferien? “Oh, da geht der Ernst des Lebens wieder los.” Die Ferien waren da ein Traum. Ich hab selbige oft in Bochum bei ebenderselben Oma verbracht, habe “Fear Street”- und “Gänsehaut”-Bücher verschlungen, auf der Wiese gespielt oder mich auf dem nahegelegenen Schulhof im Basketball versucht. Meine größte Sorge war der Mathestoff für die nächste Klassenarbeit. Später hieß das dann “Klausur”, war aber irgendwie immer noch dasselbe, nur etwas schwieriger. Für die Schüler im Ländle geht er heute wieder los, der Ernst des Lebens.

Das ist die Zeit, wo mittags wieder jede Menge Schüler in der Gegend rumstehen, auf den Bus warten, miteinander quatschen oder einfach nur abhängen. Viele sehen gleich aus, manche sind ein wenig alternativ, dabei jeder auf seine eigene Weise. Es wird sich beklagt über Tage mit acht Schulstunden oder über die vielen Pausen. Der Lehrer ist doof, die Lehrerin cool. Am heutigen Montag hat der Spuk bereits um 13 Uhr ein Ende. Länger geht ein erster Schultag nicht.

Wenn man nun als ehemaliger Schüler so zurückblickt, was ist einem da im Gedächtnis geblieben? Einige Lehrer, einige Mitschüler, einige schöne Episoden, einige weniger schöne. Was man vergessen hat, sind die Schwierigkeiten. Denn es ist alles schwieriger geworden. Die Eltern haben früher schon gepredigt, dass die Schule zwar wichtig ist, aber nichts im Vergleich zu dem, was danach folgt. Der Abschluss war im Nachhinein ein Kinderspiel. Und früher war sowieso alles noch viel schwerer. Heute gibt es das ja alles geschenkt.

Wenn ich an die Schulzeit zurückdenke, kommt mir als erstes die “Cafta” in den Sinn. “Cafta” stand bei uns für “Cafeteria” und ist damit eigentlich völlig falsch. Die Cafta war nämlich vielmehr ein Aufenthaltsraum für die Oberstufler, im Erdgeschoss und unmittelbar neben dem Schuleingang gelegen, sodass die Fenster den Blick über einen Teil des Schulgeländes boten. Ausgestattet mit Sofas, Tischen, einigen Zimmerpflanzen, einem Wasserkocher und einem Uralt-PC war die Cafta ein Stück Heimat. Morgens wurden hektisch die wichtigsten Hausaufgaben voneinander abgeschrieben oder vor der Klausur panisch das gegenseitige Nicht-Wissen abgefragt.

Dabei war während der ganzen Zeit das Gefühl der Gemeinschaft am schönsten. Eine versaute Matheklausur ist doch nur halb so schlimm, wenn man weiß, dass es der halben Klasse nicht anders ergangen ist. Wenn man zwar die Hausaufgaben nicht hat, aber weiß, dass sie sowieso keiner gemacht hat. Wenn jemand dem Lehrer einen Nagel auf den Stuhl gelegt hat, der Lehrer fragt “Wer war das?” und sich nach und nach alle Schüler erheben, begleitet von epischer Hans-Zimmer-Musik.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nach all dem mehr oder wenigen sachlichen und ausformulierten Bloggen mal wieder ein wenig Alltag in die Blogeinträge einziehen zu lassen. Aber irgendwie mag mir das noch nicht so recht gelingen. Genauso fühle ich mich beinahe dazu verpflichtet, journalistisch zu schreiben, Dopplungen und eintönige Sprache zu vermeiden – scheint eine Berufskrankheit zu sein. Früher, in der Schule, war das noch anders. Aber früher war sowieso alles besser. Jedenfalls glaubt man das so oft.

Aber mal ehrlich: Wer wäre denn gerne wieder zurück in der Schule? In der 12. Klasse, oder in der 13.? Ist doch irgendwie ein Rückschritt. Schließlich ist man nun schon so viel weiter. Studiert. Arbeitet anschließend und will dann auch nicht wieder ins Studium zurück. Und als Rentner? Ob man da wieder jung sein will? Ich glaube nicht. All die Lebenserfahrung und Weisheit wieder aufgeben? Wäre doch schön blöd. Ich glaube, jeder fühlt sich in seiner aktuellen Lebenssituation mehr oder weniger am wohlsten. Vorausgesetzt, die ist nicht geprägt von vorübergehenden Umständen wie Krankheit, Familienzwischenfälle, Arbeitslosigkeit oder dergleichen. Aber davon abgesehen? Wer würde schon gern einen Schritt zurück machen?

Ich nicht. Es sei denn, ich kann dann wieder alltäglicher schreiben. Aber vielleicht kommt das ja auch wieder mit der Zeit. Machen wir doch mal einen Test: Ich habe mir gestern in einem Anflug von Irrationalität ein iPhone samt zugehörigem T-Mobile-Tarif bestellt. Das heißt, ich habe das iPhone samt Tarif dann für 24 Monate an der Backe. Und die Telekom hat meine Daten, was auch nicht unbedingt optimal sein kann. Und ich brauche jetzt auch niemanden, der mir meinen “Wer-ein-iPhone-mit-Vertrag-kauft-ist-dumm”-Eintrag von vor einem Jahr raussucht. Ich bin glücklich.

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3 Kommentare zu “Der Ernst des Lebens”

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