Der Ernst des Lebens
So hat meine Oma das immer genannt, wenn die Schule wieder losging. Ende der Sommerferien? “Oh, da geht der Ernst des Lebens wieder los.” Die Ferien waren da ein Traum. Ich hab selbige oft in Bochum bei ebenderselben Oma verbracht, habe “Fear Street”- und “Gänsehaut”-Bücher verschlungen, auf der Wiese gespielt oder mich auf dem nahegelegenen Schulhof im Basketball versucht. Meine größte Sorge war der Mathestoff für die nächste Klassenarbeit. Später hieß das dann “Klausur”, war aber irgendwie immer noch dasselbe, nur etwas schwieriger. Für die Schüler im Ländle geht er heute wieder los, der Ernst des Lebens.
Das ist die Zeit, wo mittags wieder jede Menge Schüler in der Gegend rumstehen, auf den Bus warten, miteinander quatschen oder einfach nur abhängen. Viele sehen gleich aus, manche sind ein wenig alternativ, dabei jeder auf seine eigene Weise. Es wird sich beklagt über Tage mit acht Schulstunden oder über die vielen Pausen. Der Lehrer ist doof, die Lehrerin cool. Am heutigen Montag hat der Spuk bereits um 13 Uhr ein Ende. Länger geht ein erster Schultag nicht.
Wenn man nun als ehemaliger Schüler so zurückblickt, was ist einem da im Gedächtnis geblieben? Einige Lehrer, einige Mitschüler, einige schöne Episoden, einige weniger schöne. Was man vergessen hat, sind die Schwierigkeiten. Denn es ist alles schwieriger geworden. Die Eltern haben früher schon gepredigt, dass die Schule zwar wichtig ist, aber nichts im Vergleich zu dem, was danach folgt. Der Abschluss war im Nachhinein ein Kinderspiel. Und früher war sowieso alles noch viel schwerer. Heute gibt es das ja alles geschenkt.
Wenn ich an die Schulzeit zurückdenke, kommt mir als erstes die “Cafta” in den Sinn. “Cafta” stand bei uns für “Cafeteria” und ist damit eigentlich völlig falsch. Die Cafta war nämlich vielmehr ein Aufenthaltsraum für die Oberstufler, im Erdgeschoss und unmittelbar neben dem Schuleingang gelegen, sodass die Fenster den Blick über einen Teil des Schulgeländes boten. Ausgestattet mit Sofas, Tischen, einigen Zimmerpflanzen, einem Wasserkocher und einem Uralt-PC war die Cafta ein Stück Heimat. Morgens wurden hektisch die wichtigsten Hausaufgaben voneinander abgeschrieben oder vor der Klausur panisch das gegenseitige Nicht-Wissen abgefragt.
Dabei war während der ganzen Zeit das Gefühl der Gemeinschaft am schönsten. Eine versaute Matheklausur ist doch nur halb so schlimm, wenn man weiß, dass es der halben Klasse nicht anders ergangen ist. Wenn man zwar die Hausaufgaben nicht hat, aber weiß, dass sie sowieso keiner gemacht hat. Wenn jemand dem Lehrer einen Nagel auf den Stuhl gelegt hat, der Lehrer fragt “Wer war das?” und sich nach und nach alle Schüler erheben, begleitet von epischer Hans-Zimmer-Musik.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nach all dem mehr oder wenigen sachlichen und ausformulierten Bloggen mal wieder ein wenig Alltag in die Blogeinträge einziehen zu lassen. Aber irgendwie mag mir das noch nicht so recht gelingen. Genauso fühle ich mich beinahe dazu verpflichtet, journalistisch zu schreiben, Dopplungen und eintönige Sprache zu vermeiden – scheint eine Berufskrankheit zu sein. Früher, in der Schule, war das noch anders. Aber früher war sowieso alles besser. Jedenfalls glaubt man das so oft.
Aber mal ehrlich: Wer wäre denn gerne wieder zurück in der Schule? In der 12. Klasse, oder in der 13.? Ist doch irgendwie ein Rückschritt. Schließlich ist man nun schon so viel weiter. Studiert. Arbeitet anschließend und will dann auch nicht wieder ins Studium zurück. Und als Rentner? Ob man da wieder jung sein will? Ich glaube nicht. All die Lebenserfahrung und Weisheit wieder aufgeben? Wäre doch schön blöd. Ich glaube, jeder fühlt sich in seiner aktuellen Lebenssituation mehr oder weniger am wohlsten. Vorausgesetzt, die ist nicht geprägt von vorübergehenden Umständen wie Krankheit, Familienzwischenfälle, Arbeitslosigkeit oder dergleichen. Aber davon abgesehen? Wer würde schon gern einen Schritt zurück machen?
Ich nicht. Es sei denn, ich kann dann wieder alltäglicher schreiben. Aber vielleicht kommt das ja auch wieder mit der Zeit. Machen wir doch mal einen Test: Ich habe mir gestern in einem Anflug von Irrationalität ein iPhone samt zugehörigem T-Mobile-Tarif bestellt. Das heißt, ich habe das iPhone samt Tarif dann für 24 Monate an der Backe. Und die Telekom hat meine Daten, was auch nicht unbedingt optimal sein kann. Und ich brauche jetzt auch niemanden, der mir meinen “Wer-ein-iPhone-mit-Vertrag-kauft-ist-dumm”-Eintrag von vor einem Jahr raussucht. Ich bin glücklich.
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3 Kommentare zu “Der Ernst des Lebens”
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08.09.2008 -
22:39 von Moritz Homann in
September 9th, 2008 at 08:59
Das ist ja witzig, meine Oma hat das auch immer gesagt.
Ich wuerde nicht unbedingt sagen, dass Leute, die sich ein iPhone mit Vertrag holen generell dumm sind, aber die Tarife von T-Mobile sind schon unter aller Sau, wenn man das zum Beispiel mit o2 vergleicht.
Meine Dad hat sich jetzt eins aus Italien bestellt (komplett ohne SIM-/Net-Lock) und sich dazu einen o2 Vertrag fuer 45 Euro geholt. Dafuer bekommt er eine Telefon-Flatrate ins Festnetz und o2-Netz + eine UMTS-Daten-Flatrate, die erst ab 10GB in der Geschwindigkeit gedrosselt wird, also deutlich besseres Angebot als bei T-Mobile.
Die Tarife sind leider nicht so studentenfreundlich, sonst haet ich mir schon laengst eins geholt, vor allem frag ich mich warum es nicht die Option gibt auf den ganzen Telefonkram zu verzichten und nur ‘ne Datenflatrate zu bestellen? (Ich bin nicht so der Telefonierer)
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September 9th, 2008 at 12:42
Ahaha geil, Gänsehaut…die waren absolut killer!
Und zum iPhone: An dem Beitrag von vor einem Jahr sollte man dich eher nicht messen, das ist doch enorm billiger geworden seit dem 3G.
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September 9th, 2008 at 14:55
Hehe sehr cooler Blogeintrag ma wieder!
Aber ich muss noch ergänzen das unsere Cafta mittlerweile sogar eine Mikrowelle besitzt, wobei ich mir da gerade nicht sicher bin ob die mal wieder kaputt ist!
TIPP: Komm doch mal wieder für ne Stunde un setz dich in unsere “Rümpelkammer” dannach haste sicher tolle Alltagsideen zum bloggn
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