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Über die Verhältnisse

Geschrieben am 18.08.2008 - 23:09 von Moritz Homann in Politik.

Politik, das hat mit dem Volk zu tun. “Volksvertreter” heißt es ja immer wieder. Volksnah wollen Politiker sein, schließlich sprechen sie ja für das Volk. Das Volk wählt sie, das Volk bezahlt sie. Dabei haben Politiker unterschiedliche Strategien, Volksnähe zu demonstrieren. Annette Schavan zum Beispiel fliegt für 26.500 Euro zu einem Interview und einem Vortrag, die sie sonst hätte absagen müssen. Das ist in Ordnung, das kann jeder Bürger nachvollziehen. Das ist volksnah.

Unterdessen reist eine Gruppe B-Politiker in die USA und fühlt sich nicht angemessen behandelt. Das ist auch in Ordnung. Man kann natürlich fordern, “dass das Programm bitte nicht mit inhaltlichen Terminen zu überfrachten sei und genug Zeit zur freien Verfügung bleiben möge.” Schließlich geht es ja nicht darum, auf der Dienstreise irgendwie zu arbeiten, oder so. Die Leute wollen was sehen. Die Golden Gate Bridge. Die Innenstadt von San Francisco. “Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere der Schuhgeschäfte”. Das machen die Bürger schließlich auch, einkaufen. Das ist volksnah.

Eine der Abgeordneten reiste sogar mit gebrochenem Fuß. Ein Kollege hatte daher vorsorglich einen Rollstuhl für sie beantragt, der war auch da, allerdings entsprach er nicht den Vorstellungen der Frau. “Allein konnte sie ihn nicht bewegen”, schreibt der “Spiegel”. Das kann man monieren, schließlich ist Unabhängigkeit und Selbstständigkeit schon etwas wichtiges, was auch jedem Bürger zugute kommen sollte. Ein anderer Abgeordneter hat die Lösung: “Wir brauchen einen Neger, der den Rollstuhl schiebt.”

Nun kann einem selbst sowas mal rausrutschen. Normalerweise sagt man so etwas, merkt einige Zeit später, dass das irgendwie dumm war (und wenn es nur für die Außenwahrnehmung ist und die eigene Meinung dieselbe bleibt), zieht alles zurück und behauptet das Gegenteil. Bei dem SPD-Mann ist hingegen alles zu spät:

Heute, so Krüger zum SPIEGEL, mag er “nicht ausschließen, dass ich das gesagt habe. Wenn die so ein famoses Gerät angeschleppt hatten, dann sollten sie wenigstens mit anfassen”.

Eine Gruppe unwichtiger Politiker macht auf Staatskosten Urlaub in den USA; eine unfähige CDU-Politikerin fliegt für eine Summe von Stuttgart nach Zürich, die einige ihr Jahreseinkommen nennen, um einen Interview-Termin wahrnehmen zu können; ein SPD-Politiker fordert wärmere Pullis; ein CDU-Mann sagt, dass wir uns nicht so anstellen sollten von wegen Unterschied zwischen Millionenerben und Hartz-IV-Empfängern, bei Chinesen und Indern sieht das doch noch schlimmer aus.

Eigentlich wollte ich nur ein kleines Lebenszeichen abgeben, samt der Warnung, dass es die nächsten drei Wochen etwas ruhiger werden könnte. Nicht etwa, weil ich Urlaub hätte, sondern weil mein Kollege Urlaub hat und daher selten genug Zeit zum Bloggen bleiben wird. Aber es ist ja sowieso Sommerloch. In diesem Sinne.

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