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Süd…ost…was?

Geschrieben am 13.08.2008 - 21:28 von Moritz Homann in Gesellschaft, Weltgeschehen.

Konflikt in SüdossetienSeit Tagen sind die Medien voll mit so komischen Dingen wie “Südossetien”, “Abchasien”, “Saakaschwili”, “Medwed(j)ew”, “Zchinwali” und noch mehr so Quatsch. Irgendwie war da erst Krieg, dann war da noch mehr Krieg, jetzt ist kein Krieg mehr, aber es könnte wieder Krieg sein. Aber wen interessiert das schon?

Neulich war ich im Subway. Gut, das an sich ist noch keine wirkliche Sensation. Vor mir in der Schlange stand eine jüngere Frau. Als sie dran ist, bestellt sie ein Sub des Tages. Vielleicht auch ein anderes, das weiß ich nun wirklich nicht mehr. Das war zu einer Zeit, wo man, wenn jemand öffentlich “Südossetien” gesagt hätte, noch “Gesundheit!” gewünscht hätte.

Die Frau entscheidet sich für eine Brotsorte, wird gefragt, ob sie gerne Frisch- oder Scheibenkäse auf das Brot hätte. Sie entscheidet sich für Scheibenkäse. “Wollen Sie das Sub getoastet?”, fragt die Angestellte. Die junge Frau bejaht, und fügt hinzu: “Aber toasten sie es nicht so lang, sonst verläuft der Käse so sehr!”. Und die Angestellte entgegnet: “Gut, dann toaste ich es nur zehn Sekunden statt 20!”.

Ich glaube ja, dass wir immer mal wieder daran erinnert werden müssten, wie gut es uns eigentlich geht. Die Subway-Angestellte hätte hier die Möglichkeit gehabt. “DAMIT DER KÄSE NICHT SO SEHR VERLÄUFT??? Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?? Seien Sie froh, dass Sie hier überhaupt was zu essen bekommen!!”, wäre eine mögliche Entgegnung gewesen. Oder einfach stillen Protest üben und das Ding 30 Sekunden im Toast-Ofen lassen. Aber das kommt beim Kunden alles nicht so gut an.

Was wäre ich während meines Ghana-Aufenthalts froh gewesen, überhaupt mal Käse essen zu können! Völlig egal, ob der nun verlaufen ist oder nicht. Ganz zu schweigen von einem komplett leckeren Sandwich mit allerlei frischen Zutaten. Aber wir sind nicht zufrieden. Wir nörgeln, wenn im Restaurant die Muscheln aus sind. Wir lassen das Reh-Ragout zurückgehen, wenn es unseren Ansprüchen nicht genügt. Kleine, fette Kinder heulen, wenn Mama ihnen nicht ihren Lieblings-Schokoriegel geben will.

Vielleicht bin ich zu bescheiden. Vielleicht ist es abstrus, wenn ich mir vorstelle, wie in Georgien und Südossetien gerade die Bomben fallen, während die junge Frau im “Subway South Ossetia” direkt nebenan ihr Sub zwar gern getoastet hätte, aber nicht so lange, dass der Käse verläuft. Vielleicht ist die junge Frau auch dankbar und sich des enormen Glücks bewusst, das sie hat. Vielleicht.

Vielleicht ist das alles auch gar nicht so schlimm, und wir sollten uns an den schönen Dingen des Lebens freuen. Am neuen Telekom-Werbespot zum Beispiel (gut, so neu ist der mittlerweile auch nicht mehr). Auch wenn es höchst bedenklich ist, wie die Telekom diese schöne Geschichte von Paul Potts für ihre Werbezwecke instrumentalisiert. Aber die Geschichte ist einfach toll und bedient genau diese Helden-Bedürfnisse, nach denen wir uns alle sehnen: Ein Mann, der von allen unterschätzt, ja sogar ausgelacht wird, stellt sich da hin, sagt “Ich möchte Oper singen”, singt und bringt ein Millionenpublikum dazu, vor Rührung zu Weinen.

Und noch ein Gutes hat die Sache: Die Oper wird salonfähig. Wer wusste schon vorher, was “Nessun dorma” ist? Nun ziehen sich das die jungen Menschen auf ihre Mp3-Player und hören Oper, wenn sie S-Bahn fahren. Und jeder, der “Nessun Dorma” hört, hat unweigerlich Paul Potts vor dem inneren Auge, wie er vor dieser Bühne steht, den Mund öffnet, dabei seine schiefen Zähne entblößt und die Menschen zu Tränen rührt. Wer braucht da noch Hollywood? Das Leben schreibt doch die schönsten Geschichten.

Achja, falls jemand sich weigert, GEZ-Gebühren zu bezahlen, kann ich das durchaus verstehen.

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