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Sommertheater, erster Akt

Geschrieben am 07.08.2008 - 21:40 von Moritz Homann in Allgemein.

Die Politik hat Sommerpause. Das ist die perfekte Zeit für alle Politiker aus der zweiten Reihe, sich mal ordentlich zu profilieren. Beispielsweise auch für Miriam Gruß von der FDP, Mitglied in der Kinderkommission des Bundestags, die sich für ein Verbot von Überraschungs-Eiern einsetzt. “Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln”, sagt sie. Bundesinnenminister Schäuble reagiert auf das geplante Verbot von Ü-Eiern entsetzt: “Wir brauchen die Überwachung. Gerade Ü-Eier sind ein bewährtes Mittel zur Terrorbekämpfung.” Er setzt sich für einen Bundes-Eierbecher ein, der vom BKA in jedem Haushalt installiert werden kann. Vorhang auf für das Sommertheater.

Dabei bin ich der FDP wirklich dankbar, was nicht allzu oft vorkommt. Dank Frau Gruß konnte ich heute einen weiteren Tag des Sommerlochs erträglich überstehen. Es ist einfach schön, wenn sich alle Menschen einig sind: “Das Überraschungs-Ei muss es weiter geben” und “Haben die sonst nichts zu tun?” waren einige der Reaktionen, die ich heute hören durfte. Darüber hinaus verbindet das Überraschungs-Ei die Menschen: Beinahe jeder hat irgendeinen Bezug zu der Süßigkeit.

Manche haben die Eier früher einfach gerne vernascht, manche tun es heute noch, einige haben früher die Figuren gesammelt, manche sammeln noch immer. Das Überraschungs-Ei ist ein Stück Kindheit. Fast jeder hat schonmal grübelnd vor der großen Palette von Überraschungs-Eiern gestanden, einzelne Eier geschüttelt und dabei prüfend ans Ohr gehalten, nur um herauszufinden, ob sich darin ein “Happy Hippo” verbirgt. Oder doch nur irgendetwas blödes zum Zusammenbauen. So ging es mir jedenfalls. Ich war nie so der Bastler.

Auch Cornflakes-Packungen mit Spielzeug wären von diesem Verbot betroffen. Denn Nahrungsmittel und Spielzeug sollen streng getrennt werden. So könnten künftig ein einem Regal die leeren Schoko-Eier angeboten werden und im Regal daneben die gelben Kapseln, die das begehrte Spielzeug enthalten. Dann weiß das Kind: Aha, das gelbe darf ich nicht essen, das braune schon. Obwohl, das müsste es ja bei den heutigen Überraschungs-Eiern auch schon wissen. Oder wie?

Nunja, inzwischen ist ja schon wieder zurückgerudert worden. Man wolle die Überraschungseier doch nicht verbieten. Ein anderer Plan ist übrigens, leichteres Papier in Schulbüchern zu verwenden. Dadurch sollen die Kinder nicht mehr so schwere Ränzen zu tragen haben. Weiterer Faktor: Wenn das Ü-Ei verboten ist, müssen die Schüler das auch nicht mehr im Ranzen herumschleppen. Die Schüler werden es der Kinderkommission danken.

Die Hauptsache ist, dass das Überraschungs-Ei bleibt. Auch wenn ich es jetzt wahrscheinlich nicht sehr vermisst hätte, ist es doch ein Stück Erinnerung. Und die Kinderkommission sollte vielleicht mal das machen, was man normalerweise so in der Sommerpause macht: In den Urlaub gehen. Von mir aus auch mit Urlaubslektüre leichteren Papiers. Dann bleiben uns solche Überraschungen künftig erspart. Ob nun mit, oder ohne Eier.

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