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Die Stadt mit dem Dom

Geschrieben am 04.08.2008 - 20:40 von Moritz Homann in Reisen.

Bevor ein Kumpel und ich zu unserem Wochenend-Trip nach Köln aufgebrochen waren, wussten wir: In Köln gibt es einen Dom und da fließt der Rhein durch. Jetzt wissen wir: In Köln gibt es einen Dom, da fließt der Rhein durch, Kölsch ist großartig, die Innenstadt macht arm und es wird viel geheiratet. Und die Uni ist ziemlich hässlich. Ein Reisebericht.

Autobahn fahren ist blöd. Eine Strecke etwas abseits ist viel schöner, mehr Natur, mehr Freiheit, mehr Urlaubsgefühl. So weit die Idee. Schließlich fahren wir durch Metropolen wie Fischbach, Frankenstein und Schweisweiler, brauchen ewig und kommen letztlich am Freitagnachmittag um fünf Uhr in der Stadt mit dem Dom an: In Köln.

Unser Hotel liegt nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt. Vom Dachfenster aus kann man ihn sogar sehen. Wir beschließen, während der drei Tage nicht allzu viel Kulturprogramm zu machen. Das heißt im Klartext, einmal in den Dom und fertig. Der Rest soll mit Ausgeh-, Lebens- und Trinkkultur bestritten werden. Los geht es damit am Freitagabend.

Das wichtigste: Kölsch. Und bevor ich es vergesse: Dieser Eintrag soll keinerlei Wissen vermitteln, ganz im Gegenteil. Ich habe keine Ahnung, was ein Kölsch zu einem Kölsch macht und wo der Unterschied zum Pils liegt. Und ich bin auch entgegen jeglichen journalistischen Auftrags zu faul, das jetzt nachzurecherchieren. Fest steht jedoch: Kölsch schmeckt “leichter” als Pils, kommt meist in 0,2-Gläsern daher und lässt sich daher bequemer trinken. Es gibt zwar auch große Kölsch, ist aber eher unüblich. Als wir unsere beiden Kölsch leergetrunken haben, kommt der Ober. Er fragt nicht “Kann ich Ihnen noch etwas zu trinken bringen” oder sonstwas, er fragt “Noch zwei Kölsch?”. Und nichts anderes.

Nach vier Kölsch beschließen wir, “auf die Ringe” zu gehen. “Die Ringe”, das sind die Ringstraßen um die Köner Innenstadt/Altstadt herum, gespickt mit Bars, Kneipen und Clubs. Wir lassen uns im “Alex” nieder, trinken ein großes Kölsch und bestaunen das Leben in Köln. Die umliegenden Bars mit Außenbereich sind gut gefüllt, ständig kommen größere Menschenmengen vorbei.

Mit jedem Kölsch steigt die Unternehmungslust, und so wollen wir noch einen Club auf den Ringen ausprobieren. Unsere Wahl fällt, ohne irgendwelche Kriterien berücksichtigt zu haben, auf das “Omega”. Die Schlange davor ist nicht sonderlich lang, und es gibt ein lustiges Spiel am Eingang. Das Spiel hat bestimmt einen vernünftigen Namen, ich nenne es einfach mal “Mit-Metallding-an-Metallstange-entlangfahr-ohne-zu-berühren-sonst-macht-Geräusch-und-verloren”-Spiel. Wer es schafft, das Gestänge in Omega-Form ohne Berührung entlangzufahren, spart den Eintritt. “Wollt ihr das probieren?”, fragt der Mensch am Eingang. Ich bin überzeugt, dass ich das mit sechs Kölsch nicht mehr hinbekomme, belehre mich selbst eines besseren und wir betreten den Club. Kostenlos.

Im Club selbst lässt sich eigentlich nicht mehr erkennen, dass man sich in Köln befindet. Höchstens am Kölsch, das wir natürlich gleich bestellen. Ansonsten läuft gemischte Musik, die Einrichtung ist nichts besonderes, Licht und Sound auch nicht. Ein paar Kölsch später machen wir uns auf den Heimweg.

Der Samstag steht im Zeichen der Innenstadt. In Köln gibt es alles, was man braucht und alles, was es auch sonst überall gibt. Fünf H&Ms, zwei Esprit-Shops, zwei Jack & Jones/Vera Moda-Shops, zwei s.Oliver-Shops, Zara, Puma, New Yorker, Springfield, BurgerKing, MacDonalds, Starbucks, Dunkin’ Donuts, Kentucky Fried Chicken. Wir frönen dem Konsum. Trinken “Iced Hazlenut Latte” bei Starbucks, kaufen bei “Dunkin’ Donuts” sechs Donuts in der Schachtel und fühlen uns wie Homer.

Gegen Abend wird Pizza gegessen und Kölsch getrunken. In der Altstadt stoßen wir auf mehrere Dutzend Junggesellen-Abschiede, alle mit einheitlichen T-Shirts, die einen bescheuerter als die nächsten. Wir fragen uns, ob das normal ist und beschließen, dass das einen erheblichen Verlust der Kölner Lebensqualität bedeuten würde. Wir machen uns auf nach Köln-Deutz, in einen Elektro-Club. Wir gehen über eine der Rhein-Brücken und stellen fest, dass ein großer Fluss und ein dicker Dom eine Stadt schon unheimlich aufwerten können. Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen, die Beleuchtung der Kneipen am Rhein-Ufer spiegelt sich im Wasser. Der Dom steht majestätisch im Hintergrund.

Nach gut zwei Stunden im Elektro-Club wird uns klar, dass Techno keine Musikrichtung ist, um damit einen Abend zu füllen. Wir verlassen den Club, machen uns auf den Rückweg, über die Brücke, durch ein paar Straßen und kommen plötzlich am Domplatz an. Erhaben ragt der Dom in die Höhe, mit weißem Licht bestrahlt, eindrucksvoll. Kein Wunder, dass das Bauwerk Kölns Wahrzeichen ist.

Am Sonntag schließlich besichtigen wir die Uni. Dank nicht vorhandenen Orientierungssinns brauchen wir ziemlich lange, um die Uni zu Fuß zu erreichen, laufen dort noch direkt am Hauptgebäude vorbei und stellen schließlich fest, dass die Uni in Köln nicht die allerschönste ist. Dafür gibt es einige schöne Grünflächen drumherum. Und wer weiß, vielleicht können ja Kölsch und der kölsche Lifestyle auch eine hässliche Uni ausgleichen.

Fazit: Köln ist super. Der Dom als Mittelpunkt des Geschehens ist genauso optimal wie die Ringstraßen drum herum. Die Innenstadt bietet alles, was das Herzbegehrt und alles in der Innenstadt/Altstadt lässt sich gut zu Fuß erreichen. Das Nachtleben ist toll. Kölsch ist toll. Der Kölner an sich scheint lustig und weltoffen zu sein. Ich könnte mir gut vorstellen, in Köln zu leben. Einziges Manko: Karneval. Aber mit genug Kölsch lässt sich vielleicht auch das ertragen. Wer weiß.

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