Osama aus dem Imam
Vielleicht schrammt der Journalismus doch nicht am Krise vorbei. Auf Welt Online ist derzeit ein netter Artikel zu lesen, in dem es darum geht, dass zwei junge Briten “auf der Suche nach einem liebenswerten Osama sind”. Der Vorname Osama bin Ladens, der “weltweit für Terror und Zerstörung” steht, soll rehabilitiert werden. Dafür wollen die beiden in 50 Tagen 500 “Osamas” finden, die mit Terror und Zerstörung nichts am Hut haben. Damit soll der Ruf des Islams im Westen wiederhergestellt werden. Gute Idee – denn der Artikel der “Welt” zeigt, dass es mit dem Religionsverständnis nicht allzu weit her ist.
Im Artikel heißt es dann unter anderem:
Auf der Internetseite des britischen TV-Senders Channel 4, der das Projekt unterstützt, kann man sich das Ergebnis ansehen. In 29 Tagen haben Jarral und Khan 72 Osamas gefunden. Darunter ist ein nigerianischer Kaufmann, der den englischen Fußballer Wayne Rooney vergöttert, ein britischen Unternehmer mit einer Vorliebe für Fleischbällchen und ein ägyptischer Schneider mit einer Schwäche für Hühner.
Diese Internetseite findet sich hier.
Und weiter im Text:
DJ Osama aus Worcester hingegen liebt Hip-Hop, Dozent Osama aus dem Imam liebt Astronomie, der Lastwagenfahrer Osama aus Nigeria mag besonders romantische Kitsch-Novellen und der Student Osama aus Warwick liebt Web Design.
Gut, der Osama-DJ liebt Hip-Hop, in Ordnung, der Dozent aus dem Imam liebt…Moment. “Aus dem Imam”? Ich kenne Irak und Iran. Imam kenne ich auch, allerdings nicht als Land. Ein Imam ist ein “Vorbeter beim islamischen Gebet“. Darüber hinaus gibt es noch mehr Definitionen, aber so in etwa kommt das schon hin.
Oder gibt es doch irgendwo eine Region namens “Imam”? Selbst wenn – unser Imam-Osama kommt eigentlich direkt aus dem Vereinigten Königreich. Seine Berufsbezeichnung ist “Imam & Lecturer”, aber er kommt “from UK”. Macht so auch mehr Sinn. Im Video sagt er, er komme aus London. Und dass er Imam sei. Aber so viel Zeit hatten die beiden Autorinnen des “Welt”-Artikels wahrscheinlich nicht.
Falls der Text ohne Kommentar geändert werden sollte:

Wenn so das Religionsverständnis einer der größten Zeitungen in Deutschland aussieht, müssen Farrah Jarral und der Khan Masood wohl noch ein paar mehr Osamas finden. Vielleicht eher so an die 50.000. Vielleicht finden sie ja noch ein paar “im Imam”. Scheint ja geradezu von Moslems verseucht zu sein.
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4 Kommentare zu “Osama aus dem Imam”
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31.07.2008 -
08:32 von Moritz Homann in
July 31st, 2008 at 13:40
Dass die Redaktion der Welt nicht allzuviel von Muslimen hält, kann ich mir vorstellen, aber meinste nicht, dass das einfach ein Schreibfehler war?
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August 4th, 2008 at 19:37
Bei “aus dem Imam”? Wenn sie jetzt “aus dem Iram” schreiben, das kann ein Schreibfehler sein. Selbst dann wär er von der Wahrheit ziemlich weit weg. Aber wenn auf der Website steht, dass der Typ Imam ist und aus Großbritannien kommt und die machen daraus “aus dem Imam” – glaube nicht, dass da ein Schreibfehler dran schuld war.
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August 6th, 2008 at 19:43
Du willst also behaupten, den WELT-Schreiberlingen war nicht bewusst, dass “der Imam” kein Land ist?
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August 7th, 2008 at 19:22
Also, ich glaube selbst beim Online-Journalismus liest man seinen Artikel vor der Veröffentlichung nochmal kurz durch. Und sowas muss dir da einfach auffallen…vielleicht waren das ja auch Praktikanten. Dass alle bei der “Welt” dumm sind, soll das ja nicht heißen.
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