Was vom “Change” geblieben ist
Barack Obama hat in Berlin die Massen begeistert – genauer gesagt: Mehr als 200.000 Menschen. Die gejubelt, applaudiert und USA-Fahnen geschwenkt haben. Seine Rede war gut; Obama selbst ist ein großartiger Rhetoriker. Doch bei all der Euphorie sollte nicht außer Acht gelassen werden, was der Präsidentschaftskandidat eigentlich genau gesagt hat.
Die Macht seiner Worte ist beeindruckend. Ich hatte selbst leider das Pech, die Rede live nur per Arte-Videostream ansehen zu können, mit mittelprächtiger deutscher Übersetzung. Das Original in englischer Sprache hat deutlich mehr Ausdruckskraft. Hier macht Politik endlich wieder richtig Spaß. Obama hat die Begabung, zu begeistern.
Er beginnt seine Rede mit der Vergangenheit Berlins, mit der Luftbrücke, mit der Mauer, die schließlich eingerissen wurde. Und schlägt damit den Bogen zu der Welt, die auch keine Mauern zulassen darf. Obama stellt sich als Weltbürger vor, nicht als US-Präsidentschaftskandidat. Er sagt, was den Leuten gefällt.
Dann spricht er davon, dass der Terrorismus bekämpft werden muss. Dass es auch bei einer zukünftig friedlichen Lösung mehr Engagement im Irak geben muss. Dass in Afghanistan mehr Truppen vonnöten sind. Und dass Amerika das nicht alleine schaffen kann. Soll heißen: Deutschland muss sich in Afghanistan stärker einbringen. Noch stärker. Die große Mehrheit der Deutschen lehnt das deutsche Engagement in Afghanistan generell ab. Dennoch bekommt Obama Beifall. Er weiß, wie er mit Worten umzugehen hat. Egal, was er sagt, es klingt richtig. Das ist in gewissem Maß gefährlich.
Kein Zweifel, Obama wäre von den beiden derzeit möglichen Kandidaten mit Sicherheit der für Deutschland und vielleicht auch die Welt bessere Präsident. Zumindest in Anbetracht dessen, was er sagt. Dennoch steht Obama neben Bekämpfung des Klimawandels und Frieden im Irak auch für Todesstrafe, Waffenbesitz und mehr Truppen in Afghanistan.
Barack Obama ist nicht der Messias, für den er gehalten wurde und heute noch gehalten wird. Er kann aus den USA nicht auf einen Schlag eine liberale, pazifistische und umweltbewusste Nation machen. Vor allem kann er davon im Wahlkampf nicht sprechen. Damit würde er McCain einen Freischein zur Präsidentschaft ausstellen.
Der Senator aus Illinois ist ein begnadeter Redner, er ist charismatisch, er sieht gut aus und lacht dieses gewinnende Lächeln. Seine Worte klingen nach Aufbruch, nach Verbesserung, nach Revolution. Nach “change” eben. Doch nach allem, was wir bisher von ihm wissen, wird der große Wechsel ausbleiben. Obama macht Lust auf Politik, die Menschen hören ihm gerne zu. Doch es muss nicht nur zu-, sondern vor allem auch hingehört werden. Und zwar genau. Die Rede vor der Siegessäule hätte vom Inhalt her so oder so ähnlich auch der amtierende Präsident Bush halten können. Ob die Begeisterung dann auch so groß gewesen wäre, ist mehr als fraglich.
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26.07.2008 -
17:55 von Moritz Homann in