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Morgens Aronal, Mittags Karies

Geschrieben am 21.07.2008 - 20:36 von Moritz Homann in Medien.

Wenn sich Spiegel Online über deutsche Blogger auslässt, wird es Zeit, das eigene Blog wieder aufzunehmen. Gut, ursprünglich kommt der Artikel aus dem Print-Spiegel. Das macht ihn aber noch lange nicht besser. Um für den ambitionierten SpON-Leser alles schön einfach zu halten, wird gleich mal getitelt: “Polemisch, rechthaberisch, machtlos”. Zusammen mit der Dachzeile “Deutsche Blogger” weiß ich dann auch schon Bescheid und muss gar nicht mehr weiterlesen. Schöne, einfache Welt.

Gut, kommen wir zur Analyse. Da gleich mal “Spiegelfechter” Jens Berger als Symbolbild für den polemischen, rechthaberischen und machtlosen Blogger genommen wird, hat er sich direkt dazu geäußert und mit seinem Eintrag vollkommen recht. “Polemisch”, sagt der Spiegel, der mit Henryk M. Broder einem der größten Polemiker überhaupt eine Plattform bietet, zuletzt in einer wunderbar differenzierten und sachlichen Anne-Will-Kritik.

Rechthaberisch? Recht haben die beim Spiegel aufgeführten Blogs oft, das stimmt. Und wer als kleines, “machtloses” Blog teilweise bessere Artikel als deutsche “Qualitätsmedien” zu bieten hat, darf ruhig auch mal rechthaberisch klingen. Womit wir beim nächsten Punkt wären: “Machtlos”. Wie machtlos deutsche Blogs sind, zeigt sich schon daran, dass sich der Spiegel überhaupt damit beschäftigt. Die Nachdenkseiten haben bis zu 25.000 Besucher am Tag? Das ist mehr als die Internetauftritte vieler Lokalzeitungen zu bieten haben. Und die beschäftigen eigene Redaktionen.

Deutsche Blogs sind so polemisch, rechthaberisch und machtlos wie der Spiegel unvoreingenommen darüber berichtet. Manche Zeitungsleute sagen, es gibt keinen objektiven Journalismus. Je nachdem, in welche Verhältnisse ich Sachverhalte stelle und welche Aussagen welcher Menschen ich wähle, gebe ich meiner Berichterstattung eine gewisse Richtung. Ich kann sagen, dass deutsche Blogs im Vergleich zu Amerika machtlos und kaum beachtet sind. Ich kann aber auch sagen, dass sich inzwischen einige Blogs in Deutschland etabliert haben und zunehmend Besucher für sich gewinnen. Dass der Spiegel an letzterem kein Interesse haben dürfte, erklärt sich von selbst.

Ich persönlich bin jedenfalls froh, dass es diese polemischen und machtlosen Blogs gibt. Ich bin froh, dass das BILDBlog jeden Tag die Lügen und Halbwahrheiten der größten Zeitung Deutschlands aufdeckt. Ich bin froh, dass es mit den Nachdenkseiten und dem Spiegelfechter unabhängige und vor allem ehrliche Nachrichten-Kommentarblogs gibt. Und zuletzt zeigt doch die Berichterstattung des Spiegel, dass diese ihm ein Dorn im Auge sind.

Kommen wir aber zu den wirklich wichtigen Fragen: Was tut eigentlich der Verbraucher, wenn er mittags vor dem Spiegel steht und die Wahl zwischen Aronal und Elmex hat? Hat sich darüber schonmal jemand Gedanken gemacht? Muss ich dann ein wenig Aronal und ein wenig Elmex auf die Zahnbürste drücken? Oder ist das im Konzept nicht vorgesehen, sich zur Mittagszeit die Zähne zu putzen? Fragen über Fragen. Wäre vielleicht mal ein Thema für Spiegel Online.

Übrigens möchte ich meinen Eintrag “Ja zum Süden – mit Vorbehalt” revidieren. Weder Deutschland noch dessen Sicherheit werden am Hindukusch verteidigt.

So, ich hoffe, dass ich hier jetzt wieder regelmäßiger polemische, rechthaberische und machtlose Einträge schreiben werde. Deutschland könnte es scheinbar brauchen.

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10 Kommentare zu “Morgens Aronal, Mittags Karies”

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