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Kampf der Kulturen

Geschrieben am 03.02.2008 - 11:52 von Moritz Homann in Gesellschaft.

“Wir haben kaum noch Kultur”, nölen manche Deutsche. Das Volk der Dichter und Denker verliert an Profil. Schlager und Volksmusik gelten als uncool, amerikanische Musik, französisches Essen und spanische Tänze werden hochgelobt, anstatt Schweinebraten zu essen und Heino zu hören. Ein wichtiger Teil unserer Kultur lässt sich dieser Tage auch wieder beobachten: Der Fasching. Oder die Fas(t)nacht, oder die Fas(t)net, oder der Karneval. Jedenfalls ziehen sich alle total bekloppt an, setzen sich in einen riesigen Saal, lauschen mittelmäßiger Mundart-Comedy und lassen sich volllaufen. Kultur?

Es liegt in der Natur des Deutschen, mit allem unzufrieden zu sein und sich zu beklagen. Das ist eine Kultur, der wir stets treu bleiben. Und am schlimmsten sind die, die sich noch über die Beklag-Mentalität beklagen. Fehlen nur noch welche, die sich darüber beklagen, dass man sich so sehr über die Beklag-Kultur beklagt. Aber das kommt bestimmt auch noch.

Fakt ist, ich persönlich kann mit Fasching/Fas(t)net/Fas(t)nacht/Karneval nichts anfangen. Ich hab auch kein Verständnis für all diejenigen, die darauf warten, nur um sich verkleiden und ins Koma saufen zu können. Und so gibt es generell kaum deutsche Gepflogenheiten, die mir positiv auffallen. Beim Im-Takt-Mitklatschen, wenn es denn mal im Takt ist, sind wir ganz vorne. Sobald irgendwo ein halbwegs rhythmisches Lied ertönt, bei dem der Deutsche im Kopf mitzählen kann (1-e und-e 2-e und-e), beginnt er zu klatschen, und alle stimmen ein. Dann singt vorne noch irgendein Sunnyboy mit blonder Schmalzfrisur über die Liebe seines Lebens und alle sind glücklich.

Nun, vielleicht ist das gar kein deutsches Phänomen. Vielleicht sind andere Völker auch ihrer eigenen Kultur gegenüber skeptisch. Vielleicht denken sich die spanischen Jugendlichen auch: “Mann, guck dir Mama und Papa an, tanzen da Salsa ums Feuer, Mama klappert wieder mit ihren Kastagnetten rum, oberpeinlich.” Und darauf: “Schau dir mal die Deutschen an, DIE haben Kultur. Mit ihren Trachten und der Maß und diesem “Schunkeln”, wie sie es nennen. Und die klatschen einfach mit, das reicht ja auch.”

Was ist denn typisch deutsch? Und was ist typisch für andere Länder? Sind wir die Dirndl-Deutschen, mit der Schweinshaxe in der einen und der Maß in der anderen Hand, übergewichtig, blond, ständig mit einem “Och neeee…näää….” auf den Lippen? Und ist der Italiener wirklich der kleine Mann mit dem Schnurrbart und der Jeans bis über die Hüfte, der ständig sagt “Aaah Ciao, Mario, hastu gesähe die Film in die Fernsähn mit die deutsche Frau in die Dirndl?” Und sind alle Franzosen groß, schlaksig, haben ein Matrosen-Shirt mit blau-weißen Streifen an und ein Baguette unter dem Arm? Und warum werden uns genau diese Kultur-Vorurteile eigentlich schon von klein auf eingetrichtert, mit Kinderbüchern, in denen uns genau so die verschiedenen Völker erklärt werden? Mit Luigi aus Italien, Pablo aus Spanien und Hans aus Deutschland?

Ich weiß es nicht. Ich bin weiter auf der Suche nach deutschen Eigenheiten, auf die ich stolz sein kann. Und solange schaue ich mir das Karnevalstreiben im Fernsehen an, samt der Sat1-Reportage über kotzende Koma-Säufer, die alles angraben, was dem Kostüm nach zu urteilen weiblich sein müsste. Wenigstens ein gutes hat die Faschingszeit: Mit dem “Dö-Dööööö”-Tusch, mit dem jeder noch so schlechten Kalauer von der 80-köpfigen Kapelle im Hintergrund untermauert wird, lassen sich mittelklassige Witze im Alltag prima als unterste Schublade der Unterhaltungskunst hinstellen. Probiert das mal aus. Ein Hoch auf die deutsche Kultur.

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2 Kommentare zu “Kampf der Kulturen”

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