Fröhliche Weihnacht überall
Ich wusste, irgendwann passiert es. Irgendwann kauft sich einer diese pinke Vinyl und spielt sie im Club. Den House-Remix von “Last christmas”, das schon in der Originalfassung mittlerweile eine Zumutung ist. Und dann, am Freitag, passierte es. Ausgerechnet von Sean Finn, von dem ich sonst eigentlich eine hohe Meinung habe. Aber am Freitag im plus+ haben nicht einmal 50% der Übergänge gepasst. Aber jeder hat einmal einen schlechten Tag. Bei mir ist unterdessen richtig Weihnachtsstimmung aufgekommen.
Naja ok, eigentlich überhaupt nicht. Statt “Süßer die Glocken nie klingen” läuft “Die mit dem roten Halsband”, Kerzen brennen auch keine, draußen scheint die Sonne als wäre Hochsommer. Mal davon abgesehen, dass es (sch)eiskalt ist. Und eigentlich regt mich Weihnachten im Moment mehr auf als dass es mich erfreut.
Treffen sich zwei Personen. Sagt die eine zur anderen: “Hey, lass uns mal an Heiligabend shoppen gehn!”. Sagt die andere: “Au ja, tolle Idee!”. Das wird nie passieren. Und warum nicht? Weil es eine Scheißidee ist, an Heiligabend shoppen zu gehen.
Mir scheint, am 24.12. wacht jedes Jahr kollektiv die komplette Menschheit auf, kratzt sich am Kopf und denkt “Hm…öhm….24ter…war da nich was? Öhm…Geburtstag…ne…Miete fällig? Nee…ach, stimmt ja: WEIHNACHTEN! Und ich brauch noch Geschenke für meine Frau, für Tante Emma und Tante Ilse, für Michael und Sabine und Onkel Herbert. Und für Opa und Oma! Naja egal, kann ich ja jetzt besorgen.”
Und dann begibt sich die gesamte Menschheit in ihrer kollektiven Dummheit in die Innenstadt und kauft ein. Und da ich genauso dumm und organisatorisch unbegabt bin wie der Rest, bin ich natürlich mittendrin. Mittendrin in der Salatschüssel der Schichten und Herkunften, zwischen Ahmed und Aisch, die bei der SWR3-Pisa-Umfrage sagen “Öh, Weihnachten, da isch Gott gestorben oder so…wann des war…ey kein Plan, aber is bestimmt schon so hundert Jahre her!”, zwischen Oma Gertrud, die sich in der Buchhandlung an der Kasse jedes ihrer zwanzig Bücher separat einpacken lässt und schließlich zwischen tausenden anderen, denen es genauso geht wie mir: Was schenke ich eigentlich wem?
Dabei ist es ja nun wirklich nicht so, als hätte man vorher keine Zeit, sich mal was zu überlegen. Nur an der Motivation fehlt es meistens. Und man ist damit ja auch nicht alleine. So kommt es, dass ich allein heute morgen fünf Bekannte getroffen habe. Peinlich wirds natürlich, wenn darunter welche sind, die man auch beschenken und die Geschenke gerade kaufen will. Oberpeinlich wirds dann, wenn man das Geschenk für besagte Person gerade in der Hand hält. Versöhnlich wirds dann, wenn diese Person auch das eigene Geschenk gerade in der Hand hält. Ja, sowasist mir heute alles schon passiert. Aber es ist ja Weihnachten, und Gott vergibt. Wahrscheinlich lacht er sich da oben sowieso kaputt, dass jedes Jahr aufs Neue die Menschen umherwuseln und so ein Aufhebens um den Geburtstag seines Sohnes machen. Ist ja eigentlich auch bescheuert – alle schenken sich untereinander was, doch der, der eigentlich Geburtstag hat, bekommt garnichts. Irgendwas stimmt da nicht.
Trotz allem Stress und Unverständnis für die Dummheit der Menschen und die alljährliche Schenkerei wünsche ich allen Lesern frohe Weihnachten. Werdet besinnlich, zündet ein paar Kerzen an, macht euch ein paar Gedanken. Legt mal die Weihnachtshits Vol. 23 ein, oder was sonst gerade parat ist. Weihnachten ist ein bisschen wie WM. Alle wissen, heute ist es. Oder morgen, wobei Heiligabend für mich schon zu Weihnachten gehört. Beinahe alle feiern es. Sogar in Ghana werden im Moment Lametta und Erdnuss-Lichterketten verkauft. Jeder wünscht “Freehliche Weinachde”, “Scheene Feierdäg” und optional “en guude Rutsch, wenn ma sich nemmer sieht, gell!”. Ist doch schön. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten.
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24.12.2007 -
14:17 von Moritz Homann in