Sukzessive Volksverdummung
Fernsehen ist toll. Was kann es schöneres geben, als sich nach einem anstrengenden Arbeitstag hinzusetzen, die Glotze einzuschalten und sich berieseln zu lassen. Fernsehen ist elementarer Bestandteil der Menschheit. “Im Schnitt sieht der Bundesbürger mehrere Stunden am Tag fern”, heißt es auf Wikipedia.
Und was sieht er da? Ich kann nur hoffen, dass er andere Programme empfängt als ich, sonst dürfte er am Verzweifeln sein. Erstes Problem: Wo ist eigentlich das Musikfernsehen hin? Stempelt mich als Mainstream und sonstwas ab, aber ich hab früher gern mal nebenher Musiksender laufen lassen, zur reinen Berieselung. Und jetzt? Die Bezeichnung “Musiksender” ist inzwischen eine Farce. Auf MTV läuft “Date my Mom”, “Next”, “Parental Control”, “Engaged & Underaged”, “My supersweet sixteen”, “Flavour of Luv” oder “Hogan knows best” (wobei das als einziges von diesen allen eine Daseinsberechtigung hat). Oder im Moment zur Abwechslung die 13te Wiederholung der European Music Awards, was aber auch mehr Show als Musik ist.
Und Viva ist auch nicht besser, da läuft die Abschlussklasse 04, 05 oder 06 oder “Freunde” oder sonst ein Müll. Ich vermute ja, es gibt gar keine neue Musik mehr. Jedenfalls anscheinend keine, die für die Masse geeignet ist. Vielleicht wäre es Zeit für einen neuen Musiksender, einen, der nur Musik spielt. Ich werde die Idee im Hinterkopf behalten.
Gut, weitergezappt, macht sich schnell Ernüchterung breit. Es scheint kaum jemand mehr den Spagat zwischen interessant und sehenswert zu schaffen, entweder ist es tierisch langweilig oder völlig hirnrissig. Auf RTL kommt die fünfhunderste Chart-Show (wenigstens hier läuft Musik, geschwängert von pseudowitziger Moderation), das Promi-Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, -Verstecken, -Sackhüpfen oder -Eierschaukeln oder die 83. Staffel von “Wer wird Millionär”. Die anderen Sender schlagen sich mit Shows wie “Wir suchen Tiere mit S” herum, die dann “Stirnlappenbasilisk” als Lösungswort haben oder bieten alle fünf Minuten “den kleinen Nils” feil (wenn jemand einen Anschlag auf Jamba plant, ich bin dabei).
Fazit: Werft den Fernseher aus dem Fenster raus. Lest ein Buch! Auch wenn der Büchermarkt ebenso gut mal eine Revolution vertragen könnte. Jedenfalls schien es mir so, als ich neulich durch unsere Buchhandlung Thalia schlenderte (Wobei mir auch gleich auffiel, dass es eigentlich nur noch Ketten gibt). Irgendwie heißen alle Bücher irgendwie gleich. Ein wenig poetisch, ein wenig geheimnisvoll. “Das verlorene Labyrinth”, “Der geheimnisvolle Stein”, “Das Geheimnis”, “Der Gotteswahn”. Gut, vielleicht etwas übertrieben, aber wenn man erst einmal eine halbe Stunde lang nach einem vernünftig erscheinenden Buch gesucht hat, bekommt man doch den Eindruck.
Dabei muss ich gestehen, dass ich a) ein Meinstreamleser und b) ein seichter Leser bin. Mainstream heißt, es wird erst einmal die Bestseller-Liste durchgeschaut. Seicht heißt, es wird auch mal der Krimi mit dem ansprechendsten Cover gelesen. Doch vorgestern war mir nicht nach Krimi, und so stieß ich auf “Nachtschatten” von Lars Saabye Christensen. Etwas anspruchsvoller, aber noch nicht anspruchsvoll um des Anspruches wegen. Ich hasse es, wenn ein Buch hochgestochen geschrieben und mit Endlossätzen gespickt ist, nur um einen künstlicherischen Anspruch zu erheben. Doch “Nachtschatten” scheint dieser Sparte nicht anzugehören. In Kurzform geht es um einen Jungen, der kein eindeutiges Geschlecht hat, dessen Vater früh gestorben ist und der wohl noch einige andere Perversitäten an sich hat…die muss ich aber erst noch erlesen. Vielleicht ist das auch nicht die beste Lektüre. Aber es ist mit Sicherheit um Galaxien besser als das 08/15-Fernsehprogramm. Amen.
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2 Kommentare zu “Sukzessive Volksverdummung”
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05.11.2007 -
20:54 von Moritz Homann in
November 5th, 2007 at 21:34
“Ich hasse es, wenn ein Buch hochgestochen geschrieben und mit Endlossätzen gespickt ist, nur um einen künstlicherischen Anspruch zu erheben”, sprach der Pseudo-Intellektuelle
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November 5th, 2007 at 22:49
Hey
nix gegen Hogan!
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